Titel: Ueber den von Herrn E. Degrand erfundenen Apparat zum Eindiken von Syrupen und zukerhaltigen Säften bei niedriger Temperatur.
Fundstelle: Band 60, Jahrgang 1836, Nr. LXVIII., S. 354
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LXVIII. Ueber den von Herrn E. Degrand erfundenen Apparat zum Eindiken von Syrupen und zukerhaltigen Saͤften bei niedriger Temperatur. Aus dem Recueil industriel, Januar und Februar 1836. Mit Abbildungen auf Tab. VI. Degrand's Apparat zum Eindiken und Versieden der Syrupe. Wir beginnen die ausfuͤhrlichere Mittheilung, die wir uͤber den mit Recht gepriesenen Apparat des Hrn. Degrand machen wollen, mit einer Beschreibung desselben, der wir dann Bemerkungen uͤber die Vortheile, die er gewaͤhrt, folgen lassen wollen.Es ist dieß derselbe Apparat, auf welchen die Bruͤder Reybaud von Marseille im Jahre 1834 in Frankreich ein Patent erhielten. A. d. R. Die Verdampfung der zukerstoffhaltigen Fluͤssigkeiten wird in dem aus zwei Halbkugeln bestehenden Kessel A vorgenommen. Der zur Erhizung dienende Dampf circulirt in einem doppelten Boden und in einem Schlangenrohre: dieses Heizsystem ist durch h, h' in Fig. 1 angedeutet. Die Austreibung der atmosphaͤrischen Luft geschieht mittelst eines Dampfstromes. Sobald man naͤmlich die Haͤhne m und j' oͤffnet, fuͤhrt der Dampf, welcher in den geschlossenen Kessel eintritt, und der nachdem er den Kessel, den Verdichter C und den an dessen Ende befindlichen Cylinder D durchstroͤmt hat, bei j' in die atmosphaͤrische Luft austritt, die in dem Apparate enthalten gewesene Luft mit sich fort. Ist die Luft ausgetrieben, so schließt man m und j', und oͤffnet dafuͤr b, wo dann die in a enthaltene Fluͤssigkeit auf den Condensator zu fließen und den luftleeren Raum zu erzeugen beginnt. Bald darauf saugt man in den Kessel A den einzudikenden oder zu versiedenden Syrup, indem man zu diesem Behufe den Hahn j oͤffnet, damit man je nach Belieben aus dem Behaͤlter f oder g schoͤpfen kann. Deutet das in den Kessel gebrachte Niveau an, daß der Eintrag vollkommen geschehen ist, so unterbricht man den Syrupzufluß, indem man den Hahn j schließt. Bevor jedoch der Eintrag noch vollendet ist, oͤffnet man die beiden Haͤhne m, m', um den zur Erhizung dienenden Dampf in den Heizapparat eintreten zu lassen. Der im Kessel enthaltene Saft oder Syrup beginnt dann zu sieden, sobald dessen Temperatur der Spannung des Dampfes das Gleichgewicht haͤlt. Gesezt nun der Saft befinde sich im Sude, so werden die von ihm ausgestoßenen Daͤmpfe durch die Roͤhren l, l in den Verdichter C gefuͤhrt, der aus zwei horizontalen Roͤhrensystemen besteht, an welchem sich die im Zigzag laufenden und durch Kniee verbundenen Roͤhren in einer senkrechten Flaͤche befinden. In diesen Roͤhren circuliren die in dem geschlossenen Kessel erzeugten Daͤmpfe, um an deren innerer Oberflaͤche abgekuͤhlt und verdichtet zu werden. Wir nennen uͤbrigens diese Vorrichtung nicht nur den Verdichter, sondern wegen einer anderen Function, die sie, wie wir gleich zeigen werden, gleichzeitig vollbringt, auch einen Verdampfer, Condensateur-évaporateur. Bei a befindet sich ein Behaͤlter, welcher mit gelaͤutertem Safte gespeist wird. Die Roͤhre b, durch welche der Saft aus diesem Behaͤlter in die beiden Trichter c abfließt, ist zum Behufe der Regulirung dieses Abflusses mit einem Hahne versehen. Von diesen beiden Trichtern ist uͤber jedem der beiden Roͤhrensysteme, und in einer und derselben Flaͤche mit ihnen je einer angebracht. Sie dienen dazu den Saft, der ihnen aus dem Behaͤlter a zufließt, gleichmaͤßig auf der ganzen Oberflaͤche der ersten Roͤhre des zu ihnen gehoͤrigen Roͤhrensystemes zu vertheilen. Von dieser ersten Roͤhre gelangt der Saft auf die Oberflaͤche der zweiten; von dieser auf die dritte u.s.f. bis er endlich die unterste Roͤhre erreicht hat: so zwar, daß saͤmmtliche Roͤhrenoberflaͤchen bestaͤndig mit zufließendem Safte benezt sind, waͤhrend das Innere der Roͤhren mit den in dem Kessel entwikelten Daͤmpfen erfuͤllt wird. Aus dieser Einrichtung, deren Idee wir Hrn. Charles Derosne verdanken, ergibt sich, daß waͤhrend im Inneren dieses Apparates die Abkuͤhlung und Verfluͤssigung der Daͤmpfe von Statten geht, auf der aͤußeren Oberflaͤche der Roͤhren eine Verduͤnstung vorgeht, durch welche dem Safte eine Quantitaͤt Wasser entzogen wird, die dem Gewichte nach beinahe den im Inneren verfluͤssigten Daͤmpfen gleichkommt. Man erzielt demnach durch diese Einrichtung ohne alle Vermehrung des Bedarfes an Brennmaterial eine Verdoppelung des Nuzeffectes. Der Saft gelangt, nachdem er in dem eben beschriebenen Apparate eine beginnende Concentration oder Eindikung erlitten, auf eine schiefe Flaͤche, von der er durch die Roͤhre e in den Behaͤlter f fließt, um aus diesem durch Aufsaugung zur Speisung des Kessels verwendet zu werden. Da ferner die unterste Roͤhre des Apparates mit dem Cylinder D communicirt, so sammelt sich das Wasser, welches durch Verduͤnstung der Daͤmpfe an der inneren Oberflaͤche der Roͤhren entsteht, in diesem Cylinder. Dieses Wasser wird nach Belieben entfernt oder abgelassen, ohne daß man deßhalb Luft in den Apparat eindringen laͤßt, und ohne daß dadurch der Verdampfungsproceß in dem Kessel und auf dem Condensator unterbrochen wuͤrde. Man laͤßt zu diesem Endzweke, nachdem man den Hahn d geoͤffnet, von dem Dampferzeuger her einen Dampfstrom in den Cylinder D treten, und man oͤffnet den Abflußhahn j' dieses Cylinders, gleichsam als wollte man die Luft aus demselben austreiben. Ist das Wasser auf diese Weise entfernt worden, so verschließt man den zum Wasserabflusse und den zur Dampfeinleitung dienenden Hahn, und oͤffnet dafuͤr wieder den Hahn d. Fuͤr den Fall, daß der Versieder unterlassen haͤtte zur gehoͤrigen Zeit Butter oder irgend einen anderen fetten Koͤrper in die der Verdampfung ausgesezte Fluͤssigkeit zu bringen; oder wenn diese Fluͤssigkeit viel Gas enthielte, so daß ein tumultuarisches Aufsieden entstuͤnde, welches weder durch Eintragen eines Fettes, noch auch durch Ermaͤßigung der Heizung bemeistert werden koͤnnte, wuͤrde Syrup aus dem Kessel hinaus geschleudert werden. Dieser Syrup wuͤrde sich jedoch mit etwas Wasser verduͤnnt in dem Cylinder D ansammeln. Dieser Cylinder dient uͤbrigens auch noch zu einem anderen Zweke. Wenn naͤmlich waͤhrend einer Operation aus irgend einem Grunde etwas Luft in den Apparat eindringt, so wird diese Luft, durch den in den Roͤhren circulirenden Dampf gegen diesen Cylinder gefuͤhrt; und da dieser Cylinder einen bedeutenden Theil des ganzen Rauminhaltes des Apparates bildet, so erhellt offenbar, daß wenn man die Luft aus dem Cylinder austreibt, die Gesammtmenge der in dem Apparate enthaltenen Luft dadurch in bedeutendem Maaße verringert wird; so zwar, daß wenn zufaͤllig eine groͤßere Menge Luft in den Apparat eingedrungen waͤre, durch mehrfache Wiederholung der eben angegebenen Operation wieder der fruͤhere luftleere Raum hergestellt werden koͤnnte, ohne daß deßhalb die Verduͤnstung eine Unterbrechung erlitte, und ohne daß in die Fluͤssigkeit, welche verdampft wird, Wasser eingefuͤhrt wuͤrde. Unter dem Kessel A befindet sich ein Cylinder B, der zur Aufnahme jenes Saftes, welcher in dem Kessel vollkommen concentrirt, oder jenes Syrupes dient, der hinreichend versotten worden ist. An der Roͤhre, welche die Verbindung zwischen dem Kessel und dem Cylinder vermittelt, ist ein Hahn angebracht, damit die Communication zwischen diesen beiden geschlossenen Gefaͤßen nach Belieben hergestellt oder unterbrochen werden kann. Dieser Hahn wird geschlossen, wenn man die Luft aus dem Apparate austreiben will, und daher wird der Cylinder B nicht durch dieselbe Operation luftleer gemacht. Dafuͤr sind aber zu diesem Zweke eigens fuͤr ihn bestimmte Vorrichtungen vorhanden: d.h. ein Hahn, durch welchen nach Belieben Dampf von dem Dampferzeuger her einstroͤmen kann, und ein zur Entleerung dienender Hahn. Der Cylinder B kann demnach nach Belieben von der in ihm enthaltenen Luft befreit werden, ohne daß deßhalb der Dienst des Abdampfkessels unterbrochen wuͤrde. Dieses Austreiben der Luft geschieht auch wirklich waͤhrend der Concentration oder waͤhrend des Versiedens. Ist das Versieden beendigt und soll der Kessel entleert werden, so schließt man die beiden Haͤhne m, m', und oͤffnet dafuͤr den Hahn n; waͤhrend man zugleich zur Herstellung des Gleichgewichtes der Spannung im Kessel und im Cylinder einen Hahn oͤffnet, der an einer Roͤhre angebracht ist, welche von dem obersten Theile des Cylinders auslaͤuft, und sich in eine der Roͤhren l endigt, die vom Kessel an den Verdichter laufen. Auf diese Weise laͤßt sich der Abdampfkessel entleeren, ohne daß deßhalb in den ganzen Apparat Luft eintritt; und hieraus folgt, daß man unmittelbar nach erfolgter Entleerung einen neuen Eintrag aufsaugen kann. Es findet demnach kein Zeitverlust Statt; alle Operationen folgen ohne Unterbrechung auf einander, und deßwegen nennen wir den Cylinder B auch Cylindre de continuité. Diese Eigenschaft des Apparates waͤre, wenn sie auch keine andere, als die eben angedeutete Function leistete, von großem Nuzen; sie hat aber auch noch eine andere Wirkung, welche besonders fuͤr die Raffinerien von großer Wichtigkeit ist: sie erleichtert naͤmlich die Granulation oder Koͤrnung. Der so eben beschriebene Apparat eignet sich ganz besonders auch fuͤr die Runkelruͤbenzuker-Fabrication. Da die beiden Roͤhrensysteme von allen Seiten zugaͤngig sind, so kann der Fabrikant die erste Eindikung des Saftes nach Belieben leiten. In den Raffinerien hingegen, wo nur Wasser auf den Verdichter gegossen wird, ist dieß nicht durchaus noͤthig, und daher wendet Hr. Degrand an diesen als Verdichter auch nur ein Schlangenrohr an, welches in einem langen, oben und unten offenen Fasse untergebracht ist. Die Ersparniß an Wasser ist bei dieser Einrichtung so bedeutend, daß das Wasser, welches durch die Verdichtung der aus dem geschlossenen Kessel entwikelten Daͤmpfe gewonnen wird, hinreicht; denn obschon dieses Wasser, da es sogleich emporgepumpt wird,Das Wasser steigt in einer Huͤlle, die die Roͤhre, in der die Daͤmpfe von dem Kessel in den Verdichter stroͤmen, umgibt, empor, um dann aus dieser Huͤlle in den Trichter uͤberzugehen. A. d. O. lauwarm in den uͤber dem Verdichter angebrachten Trichter gelangt, um aus diesem in Regengestalt auf die neue Art von Verdichter herabzufallen, so wird hiedurch doch die Verdichtung der Daͤmpfe mit groͤßter Regelmaͤßigkeit bewirkt. Wir haben in der Zeichnung zur Vermeidung von Verwirrung nicht alle zu dem neuen Apparate gehoͤrigen Theile angegeben, und begnuͤgen uns damit noch zu bemerken, daß der Cylinder D mit einem Manometer versehen ist, der den Unterschied andeutet, welcher zwischen dem Druke der atmosphaͤrischen Luft und der Spannung des in dem Apparate enthaltenen Gemenges aus Luft und Dampf besteht. Eben so muͤssen wir bemerken, daß an dem Kessel A noch angebracht sind: 1) ein Thermometer, der die Temperatur andeutet, bei welcher die Verdampfung geschieht; 2) ein Butterhahn; 3) Fenster, bei denen man in den Kessel sehen kann, um zu beobachten was darin vorgeht; 4) ein Loch zum Einsteigen, damit man die obere Halbkugel nicht abzunehmen braucht, wenn etwas im Kessel zu thun ist; 5) ein Hahn zum Nehmen von Proben, welcher Hahn einfacher ist, als die Sonden und Pumpen. Der Degrand'sche Apparat verdichtet und kuͤhlt demnach die Daͤmpfe, welche sich beim Eindiken und Versieden aus dem Kessel entwikeln, oder mit anderen Worten, er bewirkt und unterhaͤlt den luftleeren Raum durch Verduͤnstung und Ventilation, waͤhrend die Apparate von Howard, Roth, Pelletan und Trappe dieselbe Wirkung durch Vermengung von kaltem Wasser mit den Daͤmpfen erzeugen. An ersterem wirken die Kuͤhlmittel lediglich auf die aͤußere Oberflaͤche des Verdichters, waͤhrend an den uͤbrigen die Verdichtung im Inneren des Verdichters bewirkt wird. An ersterem hilft die atmosphaͤrische Luft mit zur Erzielung des Nuzeffectes, waͤhrend an den uͤbrigen die Luft dem Nuzeffect Eintrag thut, so daß man, da man deren Eindringen nicht verhuͤten kann, gezwungen ist sie auszutreiben. Wir wollen nun zur Eroͤrterung der Vortheile uͤbergehen, welche der Degrand'sche Apparat gewaͤhrt, und fuͤhren hiebei an der Spize folgende Stellen an, die wir aus einem Berichte, den die HH. Arago, Dulong und Dumas der Akademie in Paris uͤber diesen Gegenstand erstatteten, entnehmen. „Der Apparat besteht aus einem geschlossenen Kessel und einem Condensator ohne Luftpumpe; der Condensator ist von neuer Art, und bietet Alles dar, was man in den Kuͤnsten eine Erfindung und zwar eine sehr wichtige Erfindung zu nennen pflegt. Der Apparat verzehrt kein Wasser; oder richtiger gesprochen: die Verdampfung wird in dem Kessel durch Verduͤnstung einer geringeren Menge Wasser unterhalten, als jene ist, welche den zu verdichtenden Dampf erzeugt, weil zu dieser Verdichtung alle jene Waͤrme benuzt wird, welche durch die Luft, die in raschem Strome durch die Verdichtungsroͤhre streicht, entzogen wird. Man kann demnach diesen Apparat selbst in solchen Localitaͤten benuzen, in welchen man sich der Apparate Howard's und Roth's wegen Wassermangel nicht bedienen kann.“ Diese Angaben sind so wahr und richtig, daß in den Raffinerien von Hrn. Guillon und Hrn. Ferat in Paris, so wie in jenen der Bruͤder Reybaud und der HH. Tiers, Gavot und Callaman in Marseille, das Wasser, welches durch Verdichtung der aus dem geschlossenen Kessel emporsteigenden Daͤmpfe gewonnen wird, mehr als hinreichend ist, um den Apparat in Gang zu erhalten. Dem Degrand'schen Apparate kommen ferner auch noch folgende Vorzuͤge vor allen uͤbrigen bisher bekannt gewordenen und mit dem luftleeren Raume arbeitenden Apparaten zu: 1) ist der geschlossene Kessel mit Fenstern ausgestattet, durch welche man den Gang des Versiedens des Syrupes und des Saftes beobachten kann. Hr. Pelletan bedient sich mit Unrecht aͤhnlicher Fenster; denn sein Patent ist um 6 Monate juͤnger, als jenes der HH. Reybaud und Degrand. 2) befindet sich an demselben ein Behaͤlter, der zur Aufnahme des versottenen Syrupes dient, und in welchen dieser abfließen kann, ohne daß deßhalb in den ganzen Apparat Luft eindringt. Die Folge hievon ist, daß mehrere Operationen ohne Unterbrechung auf einander folgen koͤnnen, und daß sich in den Raffinerien die Wiedererwaͤrmung leicht leiten laͤßt. 3) endlich ist an demselben auch noch fuͤr eine Vorrichtung gesorgt, womit man ohne Unterbrechung des Versiedens die Luft aus dem Apparate austreiben kann, und welche auch zum Aufsaugen des Syrupes dient, der bei großer Nachlaͤssigkeit des Versieders allenfalls aus dem Kessel geschleudert wird. An den anderen aͤhnlichen Apparaten geht der Zuker in dem Verdichter in eine zu große Menge Wassers uͤber, als daß er mit Vortheil daraus gewonnen werden koͤnnte. Der Degrand'sche Apparat bedingt ferner eine bedeutende Ersparniß an Brennmaterial, und diese zeigt sich hauptsaͤchlich bei der Runkelruͤbenzuker-Fabrication, bei der man mit Benuzung einer von Derosne angegebenen Verbesserung mit einer einfachen Ausgabe an Brennmaterial einen doppelten Nuzeffect erzielen kann. Diese Verbesserung besteht in der Anwendung der in dem Degrand'schen Verdichter circulirenden Waͤrme, um damit die Concentration der zukerhaltigen Saͤfte bei freier Luft und niedriger Temperatur zu beginnen. Der Raffineur, der sich des Degrand'schen Apparates bedient, laͤßt Wasser auf den Verdichter fließen; der Zukerfabrikant hingegen nimmt statt des Wassers Saft. Ersterer benuzt also die in dem Verdichter circulirende Waͤrme nicht, weil er damit Wasser ohne Nuzen verdampft; der Fabrikant hingegen benuzt sie, indem er durch sie eine Concentration des Syrups bewirkt. Da nun diese leztere Verduͤnstung beinahe jener gleich ist, welche in dem geschlossenen Kessel vor sich geht, so bezwekt der Fabrikant mit einem einzigen Feuer einen beinahe doppelten Nuzeffect. Der Unterschied, welcher sich hieraus fuͤr eine Fabrik ergibt, die taͤglich mit 300 Hectolitern gelaͤuterten Saftes von 4°, 5 arbeitet, ist enorm. Wir haben berechnet, daß eine solche Fabrik, welche mit einem Apparate von Howard, Roth, Pelletan oder Trappe arbeitet, zur Verdampfung taͤglich 5520 Kil. Kohlen verbrauchen wuͤrde, und zwar abgesehen von der Erzeugung an Dampf, welche fuͤr die Luftpumpe oder an jenen Apparaten, die mit keiner solchen ausgestattet sind, zum Austreiben der Luft erforderlich waͤre. Die Summe der Ersparniß an Brennmaterial, welche Degrand's Apparat im Vergleiche mit den uͤbrigen mit luftleerem Raume arbeitenden Apparaten gewaͤhrt, betraͤgt daher taͤglich 3400 Kil. Wir wollen dieß durch numerische Daten nachweisen. Der Howard'sche Apparat braucht, wie gesagt, zur Verdampfung 5520 Kil.; hiezu 1280 Kil. fuͤr den Betrieb der Luftpumpe, gibt in Summa 6800 Kil. Der Roth'sche Apparat braucht einerseits 5520 Kil., andererseits 1104 Kil., in Summa also 6624 Kil. Das Mittel fuͤr beide Apparate betraͤgt demnach 6700 Kil. Mit dem Degrand'schen Apparate dagegen ergibt sich folgendes Resultat. Wenn auf dem Heerde des Dampferzeugers 3067 Kil. Kohlen verbrannt werden, so wird nach den gewoͤhnlichen Annahmen fuͤnf Mal so viel Wasser, d.h. 15,335 Kil. verdampft. Dieser Dampf circulirt in den Schlangenroͤhren und in dem doppelten Boden des geschlossenen Kessels, wo er sich verdichtet und dann wieder in den Dampferzeuger zuruͤkkehrt. Diese Verdichtung kann aber nur geschehen, indem der Dampf den Syrupen, welche die Schlangenroͤhren und den geschlossenen Kessel umfließen, auch wieder 15,335 Wasser entzieht. Dieß ist also der erste Nuzeffect. Die 15,335 Kil. Dampf, welche die in dem geschlossenen Kessel enthaltenen Saͤfte oder Daͤmpfe ausstoßen, verfluͤssigen sich an der inneren Oberflaͤche der Roͤhren des Verdichters, und diese Verdichtung bewirkt ihrerseits au der aͤußeren Oberflaͤche der Roͤhren die Verdampfung eines Gewichtes, welches dem Gewichte der in dem geschlossenen Kessel erzeugten Daͤmpfe beinahe gleichkommen wuͤrde, wenn nicht ein Theil des Waͤrmestoffes an den aufsteigenden auf die Roͤhren wirkenden Luftstrom abgegeben wuͤrde. Nach den von Derosne angestellten Versuchen betraͤgt die auf diese Weise zur Verdampfung benuzte Waͤrme mehr als 4 Fuͤnftheile des Ganzen. Nehmen wir jedoch nur 4 Fuͤnftheile an, so bedingt die Verdichtung der 15,335 Kil. Dampf, welche im Inneren des Verdichters circuliren, auf dessen aͤußerer Oberflaͤche immer noch eine Verduͤnstung von 12,265 Kil. Wasser, welche mithin dem Safte zum Behufe seiner Eindikung entzogen werden. Dieß ist der zweite Nuzeffect. Es werden demnach mit 3067 Kil. Kohlen, die auf dem Heerde des Dampferzeugers verbrannt werden, 15,335 Kil. Wasser im Kessel und 12,265 Kil. auf dem Verdichter verfluͤchtigt, was in Summa 27,600 Kil. oder 276 Hectoliter gibt. Oder mit anderen Worten: der Degrand'sche Apparat entzieht den Syrupen oder zukerhaltigen Saͤften mit einem Verbrauche von 3067 Kil. Kohlen eben so viel Wasser, als die uͤbrigen mit dem luftleeren Raume arbeitenden Apparate mit einem Verbrauche von 5520 Kil. zu entziehen im Stande sind. Nach diesen Berechnungen verzehrt der Degrand'sche Apparat fuͤr Verdampfung 3067 Kil. und zur Austreibung der Luft 233 Kil.: in Summa 3300 Kil. Kohlen. Da der taͤgliche Verbrauch der uͤbrigen Apparate dagegen im mittleren Durchschnitte 6700 Kil. betraͤgt, so ergibt sich mit ersterem ganz richtig eine taͤgliche Ersparniß von durchschnittlich 3400 Kil. Was die Kosten der ersten Anschaffung betrifft, so ergibt sich auch hier wieder daraus, daß man mit einem einzigen Feuer einen doppelten Nuzeffect zu erzielen im Stande ist, eine bedeutende Ersparniß; denn, man braucht entweder mehrere oder groͤßere Howard'sche, Roth'sche, Pelletan'sche oder Trappe'sche Apparate, um mit diesen dasselbe zu leisten, wie mit dem Degrand'schen. Es kommt naͤmlich hiebei zu betrachten: 1) die eigentlichen Anschaffungskosten; 2) die Kosten der zum Dienste dieses Apparates gehoͤrigen Dampferzeuger; und 3) die Kosten der Aufstellung des Apparates. Was erstere betrifft, so kostet ein Roth'scher Apparat von zweiter Groͤße mit einem Kessel von 5 Fuß, womit man in 24 Stunden 150 bis 160 Hectoliter Saft verarbeiten kann, ein fuͤr alle Mal 17,000 Fr. Fuͤr eine Fabrik, welche taͤglich mit 300 Hectolitern Saft arbeitet, sind zwei solche Apparate erforderlich, die eine Summe von 34,000 Fr. kosten. Ein Degrand'scher Apparat von erster Groͤße dagegen mit einem Kessel von 5 Fuß, wie ihn eine Runkelruͤbenzuker-Fabrik braucht, die taͤglich mit 300 Hectoliter Saft arbeitet, kostet nur 17,000 Fr. Rechnet man hiezu noch drei Annuitaͤten, jede zu 1750 Fr., so gibt dieß eine baare Summe von 4700 Fr., welche bei der Ablieferung bezahlt wird. Die Gesammtkosten belaufen sich daher hier auf 21,700 Fr., und ergeben also zu Gunsten des Degrand'schen Apparates eine Summe von 12,300 Fr. Was die Dampferzeuger betrifft, so muͤssen sie, sie moͤgen fuͤr den Dienst eines Degrand'schen oder eines Roth'schen Apparates bestimmt seyn, nicht bloß zur Eindikung des Saftes, zum Versieden des Syrupes und zur Austreibung der Luft aus dem Apparate Kohle verbrennen; sondern auch noch zum Behufe der Laͤuterung und Klaͤrung. Da diese beiden Operationen an freier Luft geschehen, und folglich einen Dampf von 135° bis 140° des hundertgraͤdigen Thermometers erfordern, so bedient man sich gewoͤhnlich der Dampferzeuger mit hohem Druke oder mit einem Druke von 5 Atmosphaͤren. In einer Fabrik, welche taͤglich 300 Hectoliter Saft verarbeitet, muß man diesen zum Behufe der Laͤuterung bis zur Siedhize erwaͤrmen, und uͤberdieß 92 Hectoliter Syrup zum Behufe der Klaͤrung sieden; auch muß man diese 392 Hectoliter Saft und Syrup eine kurze Zeit uͤber siedend erhalten: ein Waͤrmeeffect, welcher nach den gewoͤhnlichen Annahmen zusammen einer Verdampfung von 80 Hectolitern Wasser oder der Verbrennung von 1600 Kil. Kohlen gleichkommt. Dieser Verbrauch trifft sowohl den Roth'schen, als den Degrand'schen Apparat; allein lezterer verbrennt zum Behufe der Eindampfung der Saͤfte und der Syrupe, so wie zum Behufe des Austreibens der Luft, nur 3300 Kil. Kohlen, waͤhrend ersterer ihrer 6624 Kil. verzehrt. Die Dampferzeuger, welche zum Betriebe der zwei Roth'schen Apparate noͤthig sind, deren eine taͤglich 300 Hectoliter Saft verarbeitende Fabrik bedarf, verbrennen demnach einerseits 1600 und andererseits 6624 Kil., was zusammen fuͤr 24 Stunden einen Verbrauch von 8224 Kil. Kohlen gibt. Dieß gibt also 343 Kil. fuͤr die Stunde, und dieß repraͤsentirt, 5 Kil. per Stunde auf eine Pferdekraft gerechnet, Dampferzeuger, deren Totalkraft 68 Pferden gleichkommt. An einem Degrand'schen Apparate erster Groͤße dagegen, welcher denselben Nuzeffect gibt, wie zwei Roth'sche Apparate zweiter Groͤße, betraͤgt die unter den Dampferzeugern verbrannte Quantitaͤt Kohlen einerseits 1600, und andererseits 3300 Kil., zusammen also 4900 Kil. Hienach kommen hier 204 Kil. auf die Stunde, und dieß repraͤsentirt Dampferzeuger mit einer Totalkraft von 41 Pferden. Wenn daher der Verbrauch der Dampferzeuger fuͤr den Degrand'schen Apparat durch die Zahl 41 ausgedruͤkt ist, so betraͤgt diese Zahl fuͤr den Roth'schen Apparat beilaͤufig 68. Da nun die Dampferzeuger fuͤr einen Degrand'schen Apparat, wie sie Hr. Ch. Derosne liefert, 12,000 Fr. kosten, waͤhrend sie fuͤr zwei gleichviel leistende Roth'sche Apparate auf 19,500 Fr. zu stehen kommen, so ergibt sich zu Gunsten des ersteren auch hierin ein Vortheil von 7500 Fr. Was endlich die Emballage, die Transport- und Aufstellungskosten, das Sezen der Oefen und den Bau der Schornsteine betrifft, so sind auch diese um so geringer, je leichter und kleiner die Dampferzeuger sind. In dieser Hinsicht ergibt sich abermal ein Vortheil zu Gunsten des Apparates des Hrn. Degrand, der sich im mittleren Durchschnitte auf 1200 Fr. anschlagen laͤßt. Faßt man alle diese Vortheile, die sich fuͤr eine Fabrik, welche taͤglich 300 Hectoliter gelaͤuterten Saft von 4,5° in der Waͤrme verarbeitet, durch die Anwendung des Apparates des Hrn. Degrand im Vergleiche mit dem Roth'schen ergeben, so erhaͤlt man die bedeutende Summe von 21,000 Fr. Erklaͤrung der Kupfer. A ist ein großer sphaͤrischer Kessel, welcher den einzudikenden oder zu versiedenden Saft enthaͤlt. B der continuirlich arbeitende Cylinder. C die zur Verdichtung und zum Verdampfen dienende Vorrichtung, welche aus zwei parallel angebrachten Roͤhrensystemen besteht. D der Cylinder, der zur Aufnahme des verdichteten Wassers dient, und mit dessen Huͤlfe man auch die Luft aus dem Apparate austreiben kann, ohne daß man neuerdings wieder einen luftleeren Raum zu erzeugen braucht. a der Behaͤlter fuͤr den gelaͤuterten Saft. b eine Roͤhre mit einem Hahne, der zur Regulirung des Abflusses des Saftes auf den Verdichter C dient. c ein Trichter, zur regenartigen Vertheilung des Saftes. d Haͤhne, womit man die Communication zwischen C und D nach Belieben unterbrechen kann. e eine Roͤhre, die den uͤber den Verdichter C gelaufenen Saft in den Behaͤlter f leitet, von wo er dann zur Speisung des geschlossenen Kessels aufgesogen wird. g ein Behaͤlter, in welchen der Syrup nach der Filtration zu 20° am Araͤometer gelangt. h, h' das Heizsystem, welches aus einem Schlangenrohre und einem doppelten Boden besteht. j ein Saughahn, welcher zum Behufe der Speisung des Kessels mit den Roͤhren k, k bald in dem Behaͤlter f, bald in dem Behaͤlter g Saft aufsaugt. j' der Entleerungshahn fuͤr den Cylinder D. m, m' Haͤhne, die den Dampf in den Heizapparat h, h' leiten. Der Hahn m' ist so eingerichtet, daß er nach Belieben in daß Schlangenrohr h oder in den Kessel A Dampf eintreten laͤßt, je nachdem dieser zum Heizen oder zum Austreiben der Luft verwendet werden soll. n ein Hahn, mit dessen Huͤlfe der Kessel A in den Cylinder B entleert werden kann. o ein Hahn zur Entleerung des Cylinders B dienend. p ein Loch, durch welches im Nothfalle in den Kessel A eingestiegen werden kann. Um die Zeichnung nicht zu verwirren, wurden an dem geschlossenen Kessel die Fenster, der Thermometer, der Probirhahn, der Oehl- oder Butterhahn, und an den Cylindern B und D die Dampfroͤhre und der Lufthahn weggelassen. Eben so gehoͤrt an den Cylinder D auch noch ein Manometer. Zu den Nebentheilen, welche nicht eigentlich zu dem Apparate selbst zu zaͤhlen sind, gehoͤren: E die Dumont'schen Filtra. F der Behaͤlter fuͤr den eingedikten Syrup. G eine Roͤhre mit einem Hahne, die den filtrirten Syrup von E in g leitet. –––––––––– Wir wollen der Beschreibung, welche wir von dem Degrand'schen Apparate zum Eindiken und Versieden der SyrupeWir finden uns vorzuͤglich wegen dem großen Anklang, den die Runkelruͤbenzuker-Fabrication nunmehr endlich auch in Deutschland findet, veranlaßt, der Beschreibung des Degrand'schen Apparates auch die Vergleichung desselben mit den aͤlteren aͤhnlichen Apparaten nachzutragen.A. d. R. gegeben haben, nunmehr auch eine Vergleichung desselben mit den uͤbrigen, auf demselben Systeme, d.h. auf Verdampfung bei niederer Temperatur beruhenden Apparaten nachschiken. Alle diese uͤbrigen Methoden wirken mehr oder minder nachtheilig auf den Zuker, und werden daher gewiß von allen Fabrikanten aufgegeben werden, wenn sie zur Einsicht ihrer wahren Interessen gekommen sind, und wenn sie die zur Vornahme der Veraͤnderungen noͤthigen Capitalien besizen. Howard's Apparat. Der Erfinder des neuen Systemes, zu welchem der beschriebene Degrand'sche und alle uͤbrigen hier zu erwaͤhnenden Apparate gehoͤren, ist Hr. Howard.Man sehe uͤber die Howard'sche Methode Polyt. Journal Bd. XIX. S. 376, Bd. XXVI. S. 425, Bd. XXVII. S. 30 und S. 125, Bd. XXIX. S. 275 und Bd. XXXIV. S. 197.A. d. R. Der von ihm ausgedachte Apparat besteht: 1) aus einem geschlossenen Kessel mit doppeltem Boden, welcher von dem in diesem doppelten Boden circulirenden Dampfe geheizt wird; 2) aus einem Verdichter; und 3) aus einer Luftpumpe. Die aus dem Syrupe emporsteigenden Daͤmpfe vermengen sich in dem Verdichter mit einem Strahle kalten Wassers, wodurch sie verdichtet werden. Das hiedurch entstehende lauwarme Wasser wuͤrde den Verdichter in Kuͤrze erfuͤllen, wenn es nicht ausgetrieben wuͤrde. Da das eingesprizte kalte Wasser Luft enthaͤlt, und da sich diese Luft beim Eintritte des Wassers in den Apparat entbindet, so muß nothwendig diese Luft entleert werden. Hr. Howard hat daher seinen Apparat mit einer Luftpumpe ausgestattet, welche sowohl zum Austreiben der Luft als zum Entfernen des lauen Wassers bestimmt ist. Diese Pumpe wird durch eine Dampfmaschine in Bewegung gesezt; die Kraft, deren sie bedarf, ist um so groͤßer, je mehr die Temperatur in dem Verdampfungskessel erniedrigt ist. Dieser Apparat verbraucht eine so bedeutende Quantitaͤt Wasser, daß er sich nur fuͤr solche Localitaͤten eignet, in welchen man uͤber enorme Wassermassen verfuͤgen kann, und wo man alles Wasser, welches bereits ein Mal gedient hat, immer ohne Nachtheil ausleeren lassen kann. Man kann sich einen Begriff hievon machen, wenn man bedenkt, daß diese Quantitaͤt 18 Mal so groß ist, als das Gewicht des in dem zu versiedenden Syrupe enthaltenen Wassers, so daß eine Fabrik, welche taͤglich 300 Hectoliter gelaͤuterten Saftes von 4°,5 in der Waͤrme zu verdichten haͤtte, taͤglich uͤber 5000 Hectoliter Wasser verbrauchen wuͤrde! Roth's Apparat.Man findet uͤber diesen Apparat im Polyt. Journal Bd. XXXIII. S. 269 und Bd. LVII. S. 78 alle Aufschluͤsse.A. d. R. Ein geschlossener Kessel mit doppeltem Boden und mit einem Verdichter bilden auch hier die hauptsaͤchlichsten Theile. Die Heizung geschieht mittelst Dampf, der in dem doppelten Boden in einem Schlangenrohre circulirt. Um die Luftpumpe zu ersezen, kam Hr. Roth auf die Idee die Luft und das lauwarme Wasser nach jeder Operation durch Dampf auszutreiben. Hieraus folgt, daß sein Verdichter viel geraͤumiger und diker als der Howard'sche seyn muß, indem er allen Dampf, der sich waͤhrend der Dauer der Operation verdichtet, und alle Luft, die sich aus dem kalten Verdichtungswasser entwikelt, fassen muß. Die Weglassung der Luftpumpe macht den Roth'schen Apparat allerdings einfacher; allein dagegen geht an dem Howard'schen Apparate, wo das laue Wasser und die Luft fortwaͤhrend abfließen, viel weniger Zeit verloren, als an dem Roth'schen, an welchem der Wasserabfluß nur nach jeder Operation Statt findet und jedes Mal 8 bis 9 Minuten Zeit braucht. – Der Roth'sche Apparat konnte in seiner urspruͤnglichen Einrichtung gleichfalls nur an solchen Orten angebracht werden, an welchen man Wasser in Ueberfluß hatte, und wo man das Wasser des Verdichters leicht abfließen lassen konnte. Spaͤter hingegen erfand Roth, in der Absicht sein System allen Localitaͤten anzupassen, eine Methode, wonach das Wasser so abgekuͤhlt werden kann, daß es sich immer wieder benuzen laͤßt, oder daß wenigstens nur in mehr oder minder großen Zwischenraͤumen eine Erneuerung desselben nothwendig wird. Diese Methode hat man in Paris in der Fabrik des Hrn. Bayvet, eines Associé Roth's, mit Vortheil befolgt. Das am Ende einer jeden Operation abfließende Wasser gelangt in einen auf gewisser Hoͤhe angebrachten hoͤlzernen Behaͤlter, in dessen Boden sich zahlreiche kreisrunde Oeffnungen von beilaͤufig 3 Zoll im Durchmesser befinden. An jeder dieser Oeffnungen ist ein an beiden Enden offener Schlauch aus Leinen-, Wollen- oder Baumwollenzeug angebracht, welcher oben in einer kupfernen, bis zur Hoͤhe des Randes des Behaͤlters emporreichenden Roͤhre festgehalten ist, waͤhrend er unten durch einen bleiernen Ring gespannt erhalten wird. An dem unteren Theile der kupfernen Roͤhren und in der Naͤhe der Verbindung derselben mit den Schlaͤuchen sind an der Oberflaͤche kleine kreisrunde Loͤcher angebracht, durch welche das Wasser des Behaͤlters aussikert, welches bestaͤndig laͤngs der Schlaͤuche herabfließt und dieselben uͤberall durch die Capillaritaͤt befeuchtet. Es entsteht auf diese Weise an der Oberflaͤche der Roͤhren eine Verduͤnstung und ein emporsteigender Luftstrom, welcher die Abkuͤhlung der in den kupfernen Theilen der Roͤhren enthaltenen Luftsaͤule beguͤnstigt. Man kann nach dieser Methode, welche nur geringe Kosten veranlaßt, mit groͤßter Geschwindigkeit jede beliebige Wassermenge, wie groß sie auch seyn mag, auf die Temperatur der Luft, die sie umgibt, abkuͤhlen. Da sich der hoͤlzerne Behaͤlter uͤber der Abflußoͤffnung fuͤr das heiße Wasser befindet, so wird dieses durch den Druk des Dampfes, der am Anfange einer Operation zur Erneuerung des luftleeren Raumes in den Apparat eingeleitet wird, in den Behaͤlter getrieben. Pelletan's Apparat.Man vergleiche hieruͤber Polyt. Journal Bd. LII. S. 408, Bd. LIII. S. 39 und S. 235, Bd. LVIII. S. 416.A. d. R. Auch dieser wird wie der Howard'sche mit Dampf geheizt, der in dem doppelten Boden eines geschlossenen Kessels circulirt. Die Luftpumpe ist hier gleichfalls weggelassen; die Verdichtung geschieht mittelst fortwaͤhrender Einsprizung von kaltem Wasser. Anstatt jedoch die aus dem Wasser sich entwikelnde Luft durch einen Dampfstrahl aus dem Apparate hinaus zu treiben, wird hier der Dampfstrahl so geleitet, daß er die Luft mit sich aus dem Apparat hinaus fuͤhrt. Es geht hier allerdings weniger Zeit verloren, als an dem Roth'schen Apparate; allein die zum Austreiben der Luft noͤthige Quantitaͤt Dampf ist beinahe eben so groß, als die zum Betriebe der Howard'schen Luftpumpe erforderliche. Der Verbrauch an Wasser ist zwar geringer, als an dem Roth'schen Apparate, aber immer noch so groß, daß auch diese Vorrichtung sich nur fuͤr solche Orte eignet, wo man Ueberfluß an Wasser hat. Dagegen hat man hier den Nachtheil, daß der zur Heizung dienende Dampf einen Druk von 4 bis 5 Atmosphaͤren haben muß. Trappe's Apparat, der von den HH. Trappe und Louvier Gaspard in einer Raffinerie in Paris errichtet worden ist, arbeitet mit dem luftleeren Raume und ohne Luftpumpe. Die Verdichtung geschieht durch eine innere Einsprizung von kaltem Wasser; allein der Verdichter unterscheidet sich von den fruͤher angegebenen dadurch, daß er sich in eine Torricellische Roͤhre von beilaͤufig 32 Fuß senkrechter Hoͤhe endigt. Das laue Wasser wird durch diese Roͤhre in einen Graben entleert, und der aus dem kalten Wasser entwikelten Luft entledigt man sich, indem man auf dieselbe Weise, wie an dem Roth'schen Apparate, Dampf in den Apparat treibt. Die Trappe'sche Vorrichtung erfordert etwas weniger Dampf und etwas weniger Wasser, als die vorhergehenden; doch ist der Verbrauch immer noch so groß, daß auch sie nur da anwendbar ist, wo man einen Ueberfluß an Wasser hat, und wo man eine Roͤhre anbringen kann, die bis auf 32 Fuß unter den Verdichter hinabreicht. Brame's Apparat glauben wir gleichfalls im Detail betrachten zu muͤssen, obgleich er eigentlich nicht, mit dem luftleeren Raume arbeitet.Siehe Polyt. Journal Bd. LVII. S. 314.A. d. R. Wir halten dieß fuͤr um so nothwendiger, als bei der lezten Industrieausstellung in Paris eine sehr gut gearbeitete Vorrichtung dieser Art zu sehen war, und als diese sowohl auf die einfachen Liebhaber, als auf die Mechaniker von Profession einen sehr guten Eindruk gemacht zu haben scheint; und als es mithin von Nuzen seyn kann, wenn die Vortheile, die sie gewaͤhren kann, erwogen, und untersucht wird, ob diese Vortheile groͤßer sind, als bei den fruͤher aufgefuͤhrten Apparaten. Die Eindikung und das Versieden der Syrupe geschieht hier durch Einblasen von heißer Luft in das Innere der Kessel, die durch Dampf, welcher in Roͤhren circulirt, geheizt werden. Die Haupttheile, aus denen der Apparat besteht, sind: 1) zwei Geblaͤspumpen, welche durch eine Dampfmaschine in Thaͤtigkeit gesezt werden. 2) ein Luftheizer bestehend aus einem Cylinder, in welchem eine gewisse Anzahl von Roͤhren enthalten ist. 3) Abdampfkessel, welche dem Zutritte der Luft offen stehen. Die Pumpen saugen Luft ein und treiben sie dann in den Cylinder, in welchem sie durch circulirenden Dampf erhizt wird, bevor sie am Grunde der Kessel unter eine Platte gelangt, in der sich zum Behufe der Vertheilung der Luft zahlreiche sehr kleine Loͤcher befinden. Die Luftblaͤschen nehmen beim Emporsteigen durch den Syrup Feuchtigkeit auf, so daß die Zukertheile nach und nach immer mehr und mehr concentrirt werden. Am Grunde der Abdampfkessel sind Circulationsroͤhren angebracht, welche zur Aufnahme des Dampfes, der zum Heizen und zum Verdampfen der Fluͤssigkeit dienen soll, bestimmt ist. Man bedarf bei Anwendung dieser Vorrichtung keines kalten Einsprizwassers, was allerdings von Vortheil ist; allein dieser Vortheil vermag die Ersparniß an den Errichtungskosten, den geringeren Verbrauch an Brennmaterial, und die groͤßere Guͤte der erzeugten Zuker, welche die mit dem luftleeren Raume arbeitenden Apparate bedingen, nicht aufzuwiegen; besonders im Vergleiche mit dem Degrand'schen Apparate, der nicht bloß kein kaltes Wasser verbraucht, sondern sogar lauwarmes Wasser liefert. Der unbestreitbare Vorzug, den die mit dem luftleeren Raume arbeitenden Apparate vor dem von Hrn. Brame erfundenen und uͤbrigens sinnreichen Systeme verdienen, wird fuͤr jeden Unparteiischen am offenbarsten aus den Daten erhellen, die wir am Schlusse dieses Aufsazes in einer Tabelle zusammengestellt haben. Eine Vergleichung saͤmmtlicher in dieser Tabelle angegebener Resultate wird aber auch ganz zu Gunsten des Degrand'schen Apparates ausfallen; denn dieser allein laͤßt sich unter allen Localverhaͤltnissen anbringen, was mit den Howard'schen und Roth'schen Vorrichtungen nicht der Fall ist; er allein liefert Producte, welche allen Anforderungen, die man bei dem gegenwaͤrtigen Zustande unserer theoretischen und praktischen Kenntnisse an die Zukerfabrication machen kann, genuͤgen; er kommt uͤberdieß am wohlfeilsten zu stehen, und zwar sowohl in Hinsicht auf die Anschaffungskosten, als in Hinsicht auf die taͤglichen Betriebskosten. Die Vortheile, die die Arbeit mit dem Degrand'schen Apparate gewaͤhrt, werden noch weit groͤßer werden, wenn man ein Mal, wie es zu erwarten steht, in den Fabriken statt der Presse, welcher man sich bisher bediente, die Maceration in Anwendung bringt, bei der man nach wiederholt angestellten Versuchen eine groͤßere Menge Zuker zu gewinnen im Stande ist. Da naͤmlich bei dem Macerationsverfahren um 21 Proc. mehr Wasser verdampft werden muß, als wenn das Runkelruͤbenmark in der Presse ausgepreßt worden ist, so wuͤrde, wenn man sich hier des Howard'schen Apparates bedienen wollte, eine noch weit groͤßere Menge Wasser erforderlich seyn, waͤhrend der Degrand'sche Apparat nur die durch das Macerations-Verfahren bedingte Vermehrung des Wassers um 21 Proc. zu verdampfen hat. Wir glauben diesen Aufsaz nicht besser schließen zu koͤnnen, als mit einer Bemerkung, welche Hr. Degrand machte, und welche sich eben so gut auch auf jeden anderen Industriezweig anwenden laͤßt. „Wenn ein industrielles Verfahren ein gutes Resultat geben soll, so muß dasselbe nicht nur an und fuͤr sich gut seyn, sondern der Fabrikant, der es annahm, muß auch gelernt haben sich dessen zu bedienen; denn in diesem Tacte und in den Handgriffen zeigt sich der große Unterschied zwischen den einzelnen Menschen: es mag sich um ein neues Verfahren oder um Methoden handeln, welche seit Jahrhunderten bekannt sind. Dieser Unterschied ist so groß, daß ein gewandter Arbeiter mit schlechten Werkzeugen haͤufig besser arbeitet, als ein minder gewandter mit den vollkommensten Instrumenten. Wenn man sich bekannter Methoden bedient, so kann derjenige, der weniger Gutes vollbringt, nur sich selbst anklagen; handelt es sich hingegen darum eine neue Erfindung in Ausfuͤhrung zu bringen, so wird derjenige, dem dieß nicht unmittelbar gelingt, natuͤrlich geneigt seyn zu glauben, daß der Fehler nicht in ihm, sondern in der Erfindung selbst gelegen ist. Die Folge hievon ist dann, daß die Gegner der neuen Sache dieses Nichtgelingen aufgreifen, um das gaͤnzliche Mißlingen derselben auszuschreien und selbst die Unmoͤglichkeit des Gelingens zu behaupten. So wie man aber die gewoͤhnlichen Verfahrungsweisen nur durch Praxis und Uebung erlernt, eben so bedarf es auch fuͤr die neuen Methoden einer Lehr- und Lernzeit: ja man stoͤßt hier sogar auf zwei anstatt einer einzigen Schwierigkeit; denn man ist gezwungen sich mancher Ansichten zu entledigen, die man bisher fuͤr wahr und richtig gehalten, und dann erst neue Kenntnisse, der man bedarf, zu erwerben.“ Die Société d'encouragement hat in ihrer Generalversammlung vom 30. December 1835 Hrn. Degrand fuͤr den von ihm erfundenen Apparat den Preis von 4000 Fr. zuerkannt, den sie fuͤr den besten Apparat zum Abdampfen von salz- oder zukerhaltigen oder anderen Aufloͤsungen im luftleeren Raume ausgeschrieben hatte. A. d. R. Textabbildung Bd. 60, S. 370-371 Apparate; Mittlere Temperatur des Herzkoͤrpers; Mittlere Temperatur der Verdampfung; Verbrauch an kaltem Wasser in 24 Stunden; Verbrauch an Kohle in 24 St., die zur Laͤuterung u. Klaͤrung erforderliche Quantitaͤt nicht mitgerechnet; Zur Eindikung D. Saftes u. z. Versieden; Syrupes; Zur Erzeugung der Triebstoff; Zum Austreiben der Luft; Zum Erhizen der Luft; Summa; Kosten d. Brennmaterials fuͤr d. Dienst Apparates p. Campagne, d. Kil. Kohle zu 4 Cent. gerechnet, und abgesehen von der zur Laͤuterung u. Klaͤrung erforderlichen Quantitaͤt; Gr. R. Hct. Kilogr. Kil. Franken; Howard; Roth; Pelletan; Trappe; Degrand; Brame; Kosten der ersten Einrichtung; Eigentlicher Apparat mit Einschluß der Praͤmie der Patenttraͤger; Errichtungs- und andere Kosten, annaͤherungsweise; Summa; Qualitaͤt des erzielten Productes; Bemerkungen; Franken; Fr. Schoͤn; Man verfertigt in Frankreich keine derlei Apparate; (c) Der Betrag hievon ist unter dem zur Austreibung der Luft noͤthigen begriffen; Nicht sehr entsprechend; Da bisher nur sehr wenige derlei Apparate errichtet wurden, so fehlt es noch an genauen Daten in Betreff der Kosten; Entsprechend; Es besteht bis jezt nur ein einziger Apparat dieser Art; (a) Der Apparat verbraucht nicht nur kein kaltes Wasser, sondern er erzeugt sogar bei einer Fabrication von taͤglich 300 Hectoliter gegen 150 Hectoliter heißes destillirtes, zu verschiedenen Zweken anwendbares Wasser; Um so schaumiger und um so schwerer zu reinigen, je weiter unten es genommen ist; Es gelangt leicht freie Kohlensaͤure in den Syrup oder in den Saft, wodurch derselbe schwerer krystallisirbar wird; (b) Man kann nicht unter 75° R. eindampfen ohne die Kosten der ersten Einrichtung und den Verbrauch an Brennmaterial uͤber die Maßen zu erhoͤhen NB. Die Fabrik, welche diesen Berechnungen zum Grunde gelegt ist, macerirt nicht; sie haͤtte in diesem Falle um 21 Proc. mehr Wasser zu verdampfen, und man muͤßte dann bei jedem Apparate den Verbrauch an kaltem Wasser und die Kosten des Brennmaterials um 21 Proc., die Anschaffungskosten hingegen um 15 bis 18 Proc. hoͤher ansezen. Es ist bei diesen Berechnungen ein Apparat angenommen, der taͤglich 300 Hectoliter gelaͤuterten Ruͤbensaft von 4° 5 in der Waͤrme oder in 140 Tagen 10 Mill. Pfd. Runkelruͤben zu Zuker verarbeitet.

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