Titel: Technische Notizen, auf einer Reise durch Belgien und Westphalen gesammelt von Dr. Adolph Poppe.
Autor: Dr. Adolph Poppe [GND]
Fundstelle: Band 69, Jahrgang 1838, Nr. XXV., S. 104
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XXV. Technische Notizen, auf einer Reise durch Belgien und Westphalen gesammelt von Dr. Adolph Poppe. Mit Abbildungen auf Tab. II. (Fortsezung von Bd. LXIX. H. 1, S. 18.) Adolph Poppe's Notizen aus dem Gebiete der Mechanik. F. Notizen uͤber die Foͤrderungsmechanik einiger Steinkohlengruben an der Ruhr. Eisenbahnen. Maschinen- und Dampfkesselfabrik von Jakobi Haniel und Huyssen in Starkrade und Ruhrort. Maschinenfabrik von Dinenthal, Deuß und Moll in Muͤhlheim an der Ruhr. Kohlengrube Fruͤhlingshaus. Diese Grube liegt eine Stunde von Witten, am rechten Ufer der Ruhr. Eine Dampfmaschine von 8 Pferdekraͤften foͤrdert die Steinkohlen zu Tage, und zwar sogleich in den kleinen Transportwagen, welche durch Menschenhaͤnde von der Kohlengrube auf einer Eisenbahn nach dem Abladepunkte an der Ruhr geschoben werden. Die Foͤrderung geschieht aus einer Tiefe von 400 Fuß innerhalb einer Minute, auch nach Umstaͤnden innerhalb 45 Secunden. Man haͤngt den leeren, 6 Schaͤffel oder nahe an 6 Cntr. Steinkohlen fassenden Wagen an das Tau, und laͤßt ihn in den Schacht hinab, waͤhrend gleichzeitig der volle Wagen emporgehoben wird. Die Dampfmaschine kann nach der Aussage des Waͤrters in einem Tage 2000 Schaͤffel foͤrdern. Zum Auspumpen des Grubenwassers ist eine einfachwirkende Dampfmaschine von 36 Pferdekraͤften aufgestellt; ihren Gang fand ich sehr ungleichfoͤrmig und mit großen Erschuͤtterungen begleitet. Kohlengrube Leonore und Nachtigall. Von dem Foͤrderungsmechanismus dieser von der eben erwaͤhnten, nicht weit entfernt liegenden Grube wird die Fig. 42, Taf. II, dargestellte Skizze einen Begriff geben. A, A ist die Foͤrderungs-Dampfmaschine von 8 Pferdekraͤften; sie bewirkt zunaͤchst die Umdrehung des mit dem Schwungrad an einer Achse sizenden Getriebes a, welches in das groͤßere Rad b, b eingreift. Auf jeder Seite des Rades b, b ist an einer und derselben Welle eine Seiltrommel c angeordnet; von der einen windet sich das Forderungstau ab, waͤhrend es auf der anderen gleichzeitig sich aufwikelt. Das Tau laͤuft um eine senkrecht uͤber der Schachtoͤffnung angebrachte Rolle d, und von da in den Schacht hinab. Den 200 Fuß tiefen Schacht verschließt eine Fallthuͤr e, e mit zwei Fluͤgeln, in deren Mitte ein sechszoͤlliges Loch fuͤr das Tau sich befindet. Der kleine, 6 Schaͤffel fassende Steinkohlenwagen f steht auf einer am Tauende Hangenden Plattform, und zwar auf einem Stuͤk Eisenbahn, welches oben an die zum Abladungsplaze fuͤhrende Eisenbahn e, g paßt. Eine Art Gelaͤnder, das sich oͤffnen laͤßt, schuͤzt den Wagen f vor dem Abrollen. Wenn die Plattform zu Tage ankommt, so stoͤßt der gefuͤllte Wagen die Fallthuͤr e, e auf, welche hinter demselben von selbst sogleich wieder zufaͤllt. Der Maschinenwaͤrter laͤßt nun die Dampfmaschine nach der entgegengesezten Richtung gehen, damit die Plattform auf die Fallthuͤr niedersinke. Ein bereitstehender Albeiter oͤffnet das Gelaͤnder und ein anderer zieht den vollen Wagen auf die Eisenbahn e, g heruͤber, worauf ein dritter sogleich einen leeren Wagen an seine Stelle auf die Plattform schiebt. Ist dieß geschehen, so laͤßt der Maschinenwaͤrter die Dampfmaschine, welche indessen still gestanden hatte, auf ein gegebenes Zeichen angeben, worauf sich die Plattform so weit erhebt, daß die Fallthuͤr mit Huͤlfe von Striken aufgezogen werden kann; gleich darauf sinkt sie mit dem leeren Wagen hinab und die Fallthuͤr schließt sich wieder. Das Manoͤvriren mit der Dampfmaschine erfordert große Aufmerksamkeit. Die Entwaͤsserungs-Dampfmaschine hat bei 48zoͤlligem Cylinder 60 Pferdekraͤfte. An dem Ende des 18 Fuß langen Balanciers ist unmittelbar das Pumpengestange eingehaͤngt. Der Kolbenhub betraͤgt 5 Fuß, die Anzahl der Hube 10 in der Minute, wobei die Maschine 90 Kubikfuß foͤrdert. Dieses Wasserquantum laͤßt sich indessen nach Beduͤrfniß auf 130 Kubikfuß steigern. Eisenbahn. Von den Gruben Leonore und Nachtigall fuͤhrt eine fuͤr den Pferdezug eingerichtete Eisenbahn auf die Laͤnge einer Meile nach der Kohlenstraße zwischen Witten und Elberfeld. Ihre Bauart ist aus Fig. 43 sichtbar. Die Schienen sind prismatisch, 9 1/2. Fuß lang, 3/4 Zoll breit und 1 1/4 Zoll hoch; sie sind auf querliegende, vierkantig zugehauene Holzbloͤke genagelt, von denen auf jede Schiene 6 kommen. Da, wo die Enden der Schienen zusammenstoßen, sind staͤrkere Bloͤke a, a untergelegt. Die Koͤpfe der Befestigungsnaͤgel sind in die obere Flaͤche der Schienen versenkt. Die Spurweite der Bahn betraͤgt 2 Fuß; zwischen den Schienen ist der Weg gepflastert. Die oben erwaͤhnten Steinkohlenwagen sind ungefaͤhr 1 1/2 Fuß breit und 4 Fuß lang; ihre Raͤder haben 12 Zoll Durchmesser und einen 1 1/8 Zoll uͤberstehenden Spurkranz. Ein Pferd zog 4 solcher Wagen, jeden zu 6 Schaͤffel, also nur etwa 24 Cntr. netto auf der etwas ansteigenden Bahn. Durch die Kleinheit der Foͤrderwagen wird der Pferdezug sehr unvortheilhaft, indem die Zugleine mit der Bahn einen Winkel von 20 bis 25 Grad macht. Steinkohlengrube Gewalt bei Stehle. Eine in den Werkstaͤtten von Jakobi und Comp. in Starkrade erbaute Kohlenfoͤrderungs-Dampfmaschine von 10 Pferdekraͤften, niederen Drukes, foͤrdert 6 Schaͤffel Steinkohlen in 1 Minute 12 Secunden auf eine Hoͤhe von 71 Lachtern oder 497 Fuß. Waͤhrend dieser Zeit macht die Maschine 61 Hube, wobei sich aber ihr Gang nach und nach sehr beschleunigt. Auf diesem Werke fallen besonders zwei große Wasserfoͤrderungs-Dampfmaschinen, eine zu 60 Pferdekraͤften aus Luͤttich, die andere zu 100 Pferdekraͤften aus Ruhrort in die Augen. Die erstere mit 36zoͤlligem Cylinder ist doppeltwirkend, und macht 14 Kolbenhube, jeden zu 3 Fuß, in der Minute. Die Kolbenstange geht durch den unteren Boden des Dampfcylinders und traͤgt unmittelbar das Gestaͤnge des Pumpwerkes. Die groͤßere Wassermaschine ist einfachwirkend mit einem Cylinderdurchmesser von 76 Zoll und einem 30 Fuß langen Balancier. Sie arbeitet mit 10 Huben in der Minute, und zwar betraͤgt der Hub des Dampfkolbens am einen Ende des Balanciers 8 Fuß, derjenige des Pumpwerkes auf dem anderen Ende 7 Fuß. Die Maschine foͤrdert nach der Angabe des Waͤrters bei jedem Hube 18 Kubikfuß, mithin in einer Stunde 10,800 Kubikfuß Wasser, welches sich oben in solchem Reichthume ergießt, daß es recht gut zur Betreibung eines Wasserrades benuzt werden koͤnnte. Steinkohlengrube Kunstwerk. Diese gleichfalls in der Naͤhe von Stehle liegende Grube hat eine doppelte Schachtfoͤrderung. Zwei Dampfmaschinen, jede zu 8 Pferdekraͤften, stehen dicht neben einander und besorgen einen 308 Fuß tiefen Schacht. Fig. 44 zeigt die Anordnung des Foͤrderungsapparates in der vorderen Ansicht. Unter a, a stelle man sich die Enden der Balanciers beider Dampfmaschinen vor, welche mittelst der Pleuelstangen a, b zunaͤchst auf die Umdrehung der Getriebe c, c wirken. Leztere stehen mit den großen Stirnraͤdern d, d im Eingriffe. Die Achse e, e, worauf das Rad d, d sizt, enthaͤlt zugleich die Seiltrommeln A, A und das Schwungrad B, B. Von den Trommeln A aus laufen die Foͤrderungstaue eben so, wie in Fig. 42, in schraͤger Richtung nach den hoch uͤber der Schachtoͤffnung angebrachten Leitungsrollen, und von da in den Schacht hinab. Die Foͤrderung des Grubenwassers wird durch zwei große Dampfmaschinen, die eine zu 80, die andere zu 96 Pferdekraͤften, bewerkstelligt. Beide erhalten ihre Dampfspeisung von drei neben einander stehenden Dampfkesseln, welche durch eine quere, uͤber sie laufende Roͤhre mit einander in Communication gesezt sind. Eisenbahn. In der Naͤhe von Stehle nahm ich eine kleine, recht gut construirte Tramroad-Eisenbahn in Augenschein, welche von einem Kohlenbergwerke an die Ruhr fuͤhrt. Die Transportwagen werden von Menschen geschoben. Mittlere Spurweite der Bahn 1 Fuß 4 Zoll; Laͤnge jeder Schiene 3 Fuß. Fig. 45 gibt die Ansicht der Bahn in der horizontalen Projection. Fig. 46 zeigt die zusammenstoßenden Enden zweier Schienen, und Fig. 47 den Durchschnitt der Schiene. Sie sind auf querliegende Holzbloͤke genagelt; da, wo sie zusammenstoßen, endigt sich die eine Schiene in einen Halbkreis, welcher in die halbkreisfoͤrmige Concavitaͤt des anderen Schienenendes genau paßt. Diese Verbindungsart ist ohne Zweifel sehr zwekmaͤßig; denn jede Bahnschiene erfordert nur einen Nagel, daher auch die Unterlagsschwellen nicht so stark zu seyn brauchen, als wenn die Schienen glatt zusammengestoßen waͤren, in welchem Falle jeder Querblok fuͤr die Aufnahme zweier Naͤgel eingerichtet werden muͤßte. Außerdem erhaͤlt die ganze Bahn dadurch, daß die Schienen mit einigem Spielraums zusammengefuͤgt sind, die erforderliche Nachgiebigkeit ruͤksichtlich der Laͤngenausdehnung durch die Waͤrme, ohne daß deßwegen eine Veraͤnderung in der Spurweite zu befuͤrchten waͤre. Maschinenfabrik von Jakobi Haniel und Huyssen in Starkrade. Aus diesem bedeutenden, mit einer Eisengießerei, Puddlingsfrischerei und großen Walzwerken in Verbindung stehenden Etablissement, welches den Namen Gute Hoffnungshuͤtte fuͤhrt, gehen hauptsaͤchlich solche Maschinen hervor, bei welchen der Cylinder eine Hauptrolle spielt, also Dampfmaschinen, Geblaͤse, Pumpwerke, sonst aber auch Wasserraͤder, eiserne Krahnen und andere Apparate. Die groͤßten Dampfmaschinen, namentlich auch jene maͤchtigen, dem Grubenbaue so unentbehrlichen Entwaͤsserungsmaschinen, welche den Bergmann vor den eindringenden Fluthen bewahren, werden hier unter der Leitung geschikter Ingenieurs ausgefuͤhrt; in einem besonderen Locale sind fortwaͤhrend junge Techniker mit den Entwuͤrfen von Planen und Zeichnungen beschaͤftigt. Mehrere rheinische Dampfschiffe haben ihre Maschinen, unter denen besonders eine mit oscillirenden Cylindern Interesse erregt, aus dieser Fabrik erhalten; eine Schiffsdampfmaschine mit schiefliegenden Cylindern war eben in der Arbeit. Eine Gießerei fuͤr feinere Waaren ist gleichfalls in Betrieb; dahin gehoͤren unter anderen Gegenstaͤnden auch Tische und Stuͤhle von sehr geschmakvoller und zierlicher Arbeit. Die Gießerei erhaͤlt ihren Wind von einem durch Dampfkraft bewegten Cylindergeblaͤse. Der Cylinder der Dampfmaschine befindet sich unter dem einen, der Cylinder des Geblaͤses unter dem anderen Ende des Balanciers; außerdem steht ein großes Schwungrad mit dem Balancier in Verbindung. Der doppeltwirkende Geblaͤscylinder mißt 4 Fuß im Durchmesser, gestattet einen Hub von 4 Fuß, und liefert, da etwa 30 Hube in der Minute erfolgen, in dieser Zeit 1500 Kubikfuß Wind, welcher hinreicht, zwei Hohoͤfen zu speisen. Die Geblaͤsluft wird erhizt. Dieselbe Dampfmaschine treibt außerdem noch einige Drehebaͤnke. Beachtenswerth sind die Luftheizungsapparate fuͤr gewoͤhnliche Schmiedefeuer, welche in einigen Werkstaͤtten dieser Fabrik eingefuͤhrt sind, und auch fuͤr auswaͤrtige Herde gefertigt werden. Die wesentlichen Bestandtheile dieses einfachen Apparates sind Fig. 48 und 49 in beiden mittleren verticalen Durchschnitten, und Fig. 50 im horizontalen Durchschnitte nach der Linie x, y dargestellt. Der Haupttheil, naͤmlich die Erwaͤrmungskammer, besteht aus zwei senkrechten gußeisernen Platten A, A und B, B, Fig. 49, welche in einer Distanz von zwei Zoll parallel zu einander gestellt sind, und wovon die dikere gegen 1 1/2 Zoll starke Platte A, A vom Herdfeuer bespuͤlt wird. Durch die an die Hintere Platte B, B angegossenen Scheidewaͤnde a, a, a theilt sich der Raum, den die Platten einschließen, in mehrere in einander uͤbergehende Kammern. Die Platten A, A und B, B werden zusammengeschraubt. Vom Blasbalge aus tritt der kalte Wind bei b, Fig. 48 und 50, in die Waͤrmungskammer, wird durch die Scheidewaͤnde genoͤthigt, den durch die punktirte Linie bezeichneten Weg, welcher ihn mit einer bedeutenden Flaͤche des erhizten Metalles in Beruͤhrung bringt, zu durchlaufen, und tritt endlich durch die Oeffnung c in die eigentliche Windleitungsroͤhre C, C, Fig. 50. Diese ist umgebogen und endigt sich in eine Duͤse d, welche durch die Heizkammer ins Feuer fuͤhrt. Die Duͤse d ist in der Act, wie Fig. 50 zeigt, auf die Windroͤhre gestekt, und es liegt im Zwei einer bequemen Reinigung, daß sie sich zuruͤkziehen lasse. Deßwegen besteht die Windleitungsroͤhre C, D aus zwei Stuͤken, wovon das eine Stuͤk D vermoͤge einer einfachen Anordnung e, e sich weit genug zuruͤkschieben laͤßt. Das Roͤhrenstuͤk C endigt sich naͤmlich in eine ovale Scheibe, an welche die kreisrunde Scheibe des anderen Roͤhrenendes durch vier Schrauben befestigt wird. Nun sind aber statt der sonst uͤblichen Schraubenloͤcher zwei lange Schlize an der ovalen Scheibe angebracht; man darf daher nur die Schrauben etwas nachlassen, um die Roͤhre D so weit, als die Laͤnge der Schlize betraͤgt, zuruͤkschieben zu koͤnnen. In einer der Werkstaͤtten ist eine 20 Pferdekraͤfte starke Dampfmaschine mit oscillirendem Cylinder aufgestellt, welche aͤußerst einfach erscheint, und einen auffallend geringen Raum einnimmt. Sie treibt mehrere große Maschinen zum Abdrehen und Ausbohren der Cylinder; der aus ihr entweichende Dampf tritt in eine zweite Dampfmaschine von gewoͤhnlicher Bauart, und sezt auch diese in Bewegung. Das Etablissement besizt eine große Metallhobelmaschine zur Herstellung ebener Flaͤchen, welche den Anspruͤchen, die man in neuerer Zeit an alle mechanischen Arbeiten macht, ohne Zweifel vollkommen genuͤgt, und fuͤr die Fabrik als ein unentbehrliches Werkzeug sich bewaͤhrt. Man muß diese Maschine selbst arbeiten sehen, und die durch sie gebildete Metallebene mittelst eines nach allen Richtungen angelegten Lineales untersuchen, um sich zu uͤberzeugen, daß, wenn es auch moͤglich ist, solche vollkommene Flaͤchen durch Menschenhaͤnde mittelst Meißel und Feile darzustellen, dieß doch nur unter großem Aufwand an Zeit und Muͤhe geschehen kann. Der glatt zu hobelnde Gegenstand ist auf einem Schlitten befestigt, und wird unter einem daruͤber feststehenden Schneidestahle weggezogen; hat der Schlitten das Ende seiner Bahn erreicht, so beginnt er von selbst sich wieder zuruͤkzubewegen, wobei der Stahl, ohne zu schneiden, in der eben gebildeten Bahn gleitet. Sobald der Schlitten an dem Punkte, von welchem aus er sich zuerst bewegte, angelangt ist, so ruͤkt der Schneidestahl von selbst um die Breite des jedesmaligen Schnittes zur Seite, um an einer neuen Stelle angreifen zu koͤnnen. So arbeitet die Maschine automatisch in den ihr vorgeschriebenen Graͤnzen fort, ruhig, sicher und kaum einer Aufsicht beduͤrfend. Der Mechanismus, welcher die wechselnden Bewegungen des Schlittens, so wie auch die stets auf dem richtigen Punkt eintreffenden Seitenbewegungen des Schneidestahls veranlaßt, ist bewunderungswuͤrdig scharfsinnig; ich enthalte mich indessen einer ausfuͤhrlicheren Beschreibung der Maschine, indem das Naͤhere hieruͤber in groͤßeren Werken, namentliche eine mit sehr schoͤnen Detailszeichnungen ausgestattete Beschreibung der Metallhobelmaschine in den Verhandlungen des preuß. Gewerbvereins, Bd. XII., zu finden ist. Es sind hier auch schon mehrere Kreiselraͤder nach Fourneyron's Princip erbaut worden; man zeigte mir die in Fig. 51 abgebildete Presse, welche benuzt worden war, um durch mechanischen Druk den eisernen Schaufeln ihre Kruͤmmung zu geben. Es ist eine gewoͤhnliche Schraubenpresse, mit massiv-eisernem Gestelle, deren Spindel einen langen, mit Schwungkugeln versehenen Hebel traͤgt; a und b sind die beiden eisernen Preßbaken, deren Endflaͤchen man die von der Theorie vorgeschriebene Kruͤmmung gegeben hat. Die untere Bake a ist unbeweglich, die obere b laͤuft zwischen Nuten, und wird durch die Schraubenspindel herabgedruͤkt. Mit dem Starkrader Etablissement steht ein derselben Firma angehoͤriges, neu angelegtes Werk in Unterhausen mit einer Puddlingsfrischerei und Walzwerken in Verbindung, das ich nur fluͤchtig in Augenschein nehmen koͤnnte. Eine Dampfmaschine treibt im Vereine mit einem kraͤftigen Wasserrade das Blechwalzwerk, den Hammer und eine Scheere. Fig. 52 enthaͤlt die Abbildung der lezteren in der Seitenansicht, welche keiner naͤheren Erklaͤrung bedarf. Das Wasserrad, 24 Fuß hoch und 6 Fuß breit, mittelschlaͤchtig, ist ganz von Gußeisen; es besizt 4 Kranze, jeder mit 8 Speichen, und 158 Schaufeln. Dampfkesselfabrik von Jakobi Haniel und Huyssen in Ruhrort. Dieses bedeutende Werk vereinigt mit der Dampfkesselfabrication ein fuͤr den Bau der Dampfschiffe bestimmtes Werft. Besonders interessant ist die Operation des Zusammennietens der Dampfkessel. Das Ausschlagen der zum Behufs der Nietung wesentlichen kreisrunden Loͤcher in die gewalzten Eisenblechplatten wird durch eine ungemein kraͤftige, von drei Maͤnnern bediente Durchschnittmaschine bewerkstelligt. Fig. 53 enthaͤlt die Seitenansicht dieses an Ort und Stelle von mir abgezeichneten Apparates, Fig. 54 die vordere Ansicht, von der Seite des Bewegungsmechanismus aus betrachtet. Einer der wirkenden Haupttheile ist der starke, gußeiserne, ungleicharmige Hebel A, B, C, dessen Drehungsachse bei B in einem soliden Lager liegt, und dessen langer Arm A, B zum kuͤrzeren B, C im Verhaͤltnisse von 8 Fuß zu 1/2 Fuß steht. Mit dem kuͤrzeren Arme B, C ist der Schieber, woran der Stempel a festsizt, durch ein starkes Zwischengelenk c verbunden. Ein Arbeiter bringt die am Rande zu durchloͤchernde Eisenplatte zwischen den Stempel a und die Unterlage c; diese enthaͤlt den staͤhlernen Schneidering oder die Matrize, und laͤßt sich durch Stellschrauben gehoͤrig richten. Geht nun das andere Ende A des Hebels in die Hoͤhe, so erfolgt das Ausschneiden eines kreisrunden Loches in die Metallplatte. Zwei an Kurbeln arbeitende Maͤnner leiten die Bewegung ein, wobei ihre Kraft durch folgenden einfachen Mechanismus unterstuͤzt und auf den Hebel A, B, C uͤbergetragen wird. D, D sind zwei an einer Achse sizende eiserne Schwungraͤder von 5 Fuß Durchmesser, beide mit Kurbelgriffen d versehen. Dieselbe Achse traͤgt ein Getriebe e, welches in das Stirnrad E, E greift; an der Welle dieses lezteren sizt der Hebedaumen f, welcher, um die Reibung zu vermindern, mittelst einer eisernen Rolle auf das Ende A des Hebels wirkt. Da der Durchmesser des Getriebes e zu demjenigen des Stirnrades E sich wie 1 : 9 verhaͤlt, so erfolgt jedes Mal nach 9 Kurbelumdrehungen, oder wenn man die Dauer einer Umdrehung zu einer Secunde annimmt, innerhalb 9 Secunden ein Schnitt, wonach in einer Stunde 400 Loͤcher ausgeschlagen werden koͤnnen. Sobald das Hebelende außer dem Bereiche des Daͤumlings ist, faͤllt der Hebelarm A, B vermoͤge seines Uebergewichtes nieder, und die nun eintretende Pause, bis naͤmlich der Daͤumling f von Neuem mit dem Hebel in Beruͤhrung kommt, benuzt der mit dem Durchloͤchern Beschaͤftigte, um die Blechplatten an einer anderen mit Roͤthelstift schon vorher bezeichneten Stelle unter den Stempel zu bringen. Es ist uͤbrigens die Einrichtung getroffen, daß nach Erforderniß in derselben Zeit die doppelte Anzahl von Schnitten gewacht werden kann. Fuͤr diesen Fall darf man nur zwischen das als Zapfenlager dienende Stuͤk f, g und das Rad E, E, Fig. 54, bei g noch eine zweite Rolle einsezen; dann muß der Hebelarm A, B waͤhrend einer Umdrehung des Rades E, E zwei Mal gehoben werden. Es haͤngt indessen von der Dike der zu durchschlagenden Platten ab, ob man eine oder zwei Heberollen anwenden darf. Sind die Platten dik, so kann der Widerstand so bedeutend seyn, daß, waͤhrend die Rolle mit dem Hebel in Beruͤhrung ist, das ganze, im Schwungrad concentrirte Bewegungsmoment verzehrt wird; da nun dieses erst nach mehreren Kurbeldrehungen wieder erreicht werden koͤnnte, so wuͤrde bei Anwendung zweier Heberollen wahrscheinlich der Hub eintreten, ehe die zum Durchschlagen des Loches erforderliche Beschleunigung der Schwungraͤder erreicht waͤre, weßwegen man es fuͤr rathsam findet, in diesem Falle nur eine Heberolle anzuwenden. Das Zusammennieten der nunmehr mit den noͤthigen Loͤcherreihen versehenen Platten nimmt drei Maͤnner und einen Knaben in Anspruch. Der leztere macht den kegelfoͤrmig gestalteten, 2 1/2 Zoll langen, an der Basis etwa 4 Linien diken Nietnagel in einer kleinen tragbaren Feueresse gluͤhend, und reicht ihn dem einen im Inneren des Kessels stekenden Arbeiter; dieser treibt ihn durch die Loͤcher der uͤbereinander gelegten Plattenraͤnder, wie A, Fig. 55, im Durchschnitte zeigt. Darauf haͤmmern die beiden außerhalb des Kessels stehenden Maͤnner im Takte mit schweren Haͤmmern auf den hervorragenden Theil des gluͤhenden Nagels los, schlagen ihn breit und geben ihm die in Fig. 55, B, dargestellte, flach-kegelfoͤrmige Gestalt, waͤhrend der Arbeiter im Kessel seinen Hammer gleichsam als Amboß auf den Kopf des Nagels, welcher cylindrisch bleibt, sezt. Maschinenfabrik von Dinenthal, Deuß und Moll. Die mit diesem Werke unmittelbar in Verbindung stehende Eisengießerei beschaͤftigt 4 Kupeloͤfen und einen Flammenofen. Eine Dampfmaschine von 20 Pferdekraͤften treibt ein Geblaͤse mit zwei Cylindern, eine schoͤne englische Cylinderbohrmaschine und mehrere kleinere mechanische Apparate. Hinsichtlich der oͤkonomischen Benuzung des Dampfes duͤrfte wohl diese Fabrik vielen anderen als Muster dienen. Um naͤmlich von der Dampfmaschine selbst dann noch einen der Consumtion an Brennmaterial proportionalen Effect zu erzielen, wenn die Bohrarbeiten waͤhrend des Zurichtens der Cylinder oder das Geblaͤse auf die Dauer des Gießens eingestellt werden muͤssen, so kann sie durch eine Kuppelung mit einer gewoͤhnlichen Mahlmuͤhle in Verbindung gesezt werden. Der Apparat, welcher hier zum Durchschlagen kreisrunder Loͤcher in Eisenblechplatten in Gebrauch ist, kommt mit dem in der Ruhrorter Dampfkesselfabrik befindlichen der Hauptsache nach uͤberein; nur wirkt hier anstatt des Daͤumlings eine excentrische, durch Dampfkraft in Umdrehung gesezte Scheibe auf das Ende des langen eisernen Hebels. Da, wo zum Behufe des Ausschneidens von Lochern durch dikere Platten diese Maschine nicht ausreichen wuͤrde, wendet man eine sehr schoͤn eingerichtete englische Bohrmaschine mit senkrechtem Bohrer an. G.Nadel- und Krazenfabrik in Aachen. Einige Notizen uͤber die Steinkohlegruben Ath und Guley bei Aachen. Eigenthuͤmliche Feuersprize. Nadelfabrik von Starz und Comp. in Aachen. Nachdem der Eisendraht mit Huͤlfe des Schaftmodels und der großen Schrotscheere in Stuͤke von gleicher Laͤnge aber der doppelten Laͤnge der Naͤhnadel zerschnitten worden ist, faßt ein Arbeiter mehrere Tausend solcher Nadelschaͤfte zusammen und stekt sie dicht zwischen zwei eiserne Ringe. Dieses 3 Zoll im Durchmesser haltende Paket, Fig. 56, Taf. II, kommt, nachdem es in einem Herde rothgluͤhend gemacht worden ist, unter eine ganz einfache Maschine, mit welcher alle Nadelschaͤfte vollkommen gerade gerichtet werden. Fig. 57 und 58 enthaͤlt die Darstellung der wesentlichen Theile dieser Maschine von der Seite und von Oben betrachtet. Das Schaftbuͤndel a wird auf eine eiserne Platte b, b gelegt, die auf den Tisch AB geschraubt ist. Zur Aufnahme beider, das Buͤndel umgebenden Ringe enthaͤlt die eiserne Platte, wie Fig. 58 zeigt, zwei Schlize. Auf das Buͤndel a kommt der schwere eiserne Roller c, c, dessen untere bogenfoͤrmige Flaͤche zwei, jenen in der Unterlagsplatte angebrachten Schlizen entsprechende Einschnitte enthaͤlt, welche die Ringe des Schaftbuͤndels zwischen sich fassen. Mit Huͤlfe eines Handgriffes zieht der Arbeiter das Instrument c, c unter abwaͤrts gerichtetem Druke hin und her, und versezt hiedurch das Paket a in eine hin- und herrollende Bewegung, welche das Geradestreken saͤmmtlicher Schaͤfte zur Folge hat. Damit diese Manipulation mit der erwuͤnschten Sicherheit und Bequemlichkeit vorsichgehen kann, haͤngt der Roller c, c an einer langen Stange d, d, welche oben verschiebbar durch eine Buͤchse e geht. Leztere oscillirt, damit sie der Bewegung folgen koͤnne, um zwei Zapfen. Auf diese Operation folgt, der Steknadelfabrication ganz analog, das Zuspizen der Schafte an beiden Enden, darauf das Halbiren derselben. Jezt kommen die zugespizten Nadelschafte in die Haͤnde derjenigen Arbeiter, welche die Oehre durchschlagen. Obgleich dieses Geschaͤft in der Fabrik selbst nicht gehandhabt wird, indem der Arbeiter die ihm zugewiesene Quantitaͤt Nadelschafte mit in seine Wohnung nimmt und dort bearbeitet, so hatte doch Hr. Starz die ausgezeichnete Gefaͤlligkeit, einige Maͤnner zu bestellen und unter meinen Augen die zur Bildung der Nadeloͤhre erforderlichen Manipulationen vornehmen zu lassen. Zuerst wurde das stumpfe Ende des Schaftes auf einem kleinen Amboße etwas platt geschlagen und auf diese Weise fuͤr die folgenden Operationen vorbereitet, sodann nahm der Arbeiter ein spiziges Instrument, sezte es auf die Mitte des abgeplatteten Theiles und fuͤhrte mit dem Hammer einen leichten Schlag darauf, um die Stelle zu bezeichnen, wo das Oehr durchgeschlagen werden sollte. Jezt faßte ein anderer Arbeiter die Nadel bei der Spize, legte ihren breiten Theil auf ein Bleikloͤzchen, sezte ein meißelartiges Instrument von sehr feinem Stahl auf die markirte Stelle und schlug durch einen leichten Hammerschlag das laͤngliche Oehr aus. Hiemit war aber das Oehr noch nicht vollendet; es mußten noch zwei kleine Rinnen, die sich des leichteren Einfaͤdelns wegen auf beiden Seiten vom Oehr an gegen die Spize hin ziehen, eingefeilt werden. Der Apparat, dessen sich der Arbeiter hiezu bediente, besteht aus einem einfachen Holzkloͤzchen A, Fig. 59, und einer besonderen Art Feile, oder vielmehr Saͤge B mit ganz schmaler, sein gezahnter Schaͤrfe. Auf dem Holzkloͤzchen bemerkte ich zwei erhabene, unter einem stumpfen Winkel an einander graͤnzende Flaͤchen a, b und b, c. Der Arbeiter faßte die Nadel mit einer Zange bei der Spize, legte sie so an die Flaͤche a, b an, daß der stumpfe Theil mit dem Oehre bei b noch uͤber dieselbe hinausragte, und bog sodann diesen Theil durch einige Schlaͤge mit einem kleinen Hammer nach der Flaͤche b, c um. Nun koͤnnte er durch ein Paar Striche mit dem Instrumente B leicht die verlangte Rinne auf der einen Seite an das Oehr feilen oder sagen. Dieselbe Manipulation wiederholte der Arbeiter mit der anderen Seite des Oehres; zulezt klopfte er die Nadel wieder gerade, und rundete ihr stumpfes Ende mit einer Feile etwas ab. Das Haͤrten, welches jezt an der Reihe ist, wird auf die bekannte Art vorgenommen, indem man die Nadeln auf einer eisernen Tafel gluͤht, und gluͤhend ins Wasser wirft. Die aus dem Wasser genommenen Nadeln streut man, nachdem sie getroknet sind, abermals auf eine eiserne Platte, die von Unten langsam erhizt wird; zugleich rollt man sie mit einem messeraͤhnlichen, stumpfschneidigen Instrumente hin und her. Hiedurch will man den Nadeln die allzugroße, durch das gewaltsame Abloͤschen im Wasser erlangte Sproͤdigkeit benehmen. Die nun folgenden Operationen, wozu das Rollen der Nadelpakete in den Scheuerbaͤnken, das Poliren, das Reinigen in heißem Seifenwasser, das Troknen durch Saͤgmehl u.s.w. zu rechnen ist, weichen in dieser Fabrik von dem gewoͤhnlichen, mehrfach beschriebenen Verfahren nicht wesentlich ab, die etwaigen besonderen Vortheile und Geheimnisse aber wurden natuͤrlich mir, dem Fremden, nicht anvertraut; ich enthalte mich daher einer weiteren Beschreibung. Krazenfabrik in Aachen. Dieses Etablissement liefert die Krazenbeschlaͤge fuͤr Baumwollen- und Wollenspinnerei sowohl in Form schmaler Blaͤtter als auch in Gestalt langer Baͤnder, welche auf die Trommeln oder Walzen der Krempelmaschinen schraubenfoͤrmig aufgewunden und befestigt werden. Die erste mechanische Operation, welcher das in Blaͤtter oder Bandstreifen zugeschnittene Krazenleder unterliegt, ist das Schaͤlen oder Ebnen auf der Fleischseite, und hat zum Zwek, die vorkommenden Unebenheiten und Rauhigkeiten zu beseitigen und dem Leder eine durchaus gleichfoͤrmige Dike zu geben. Man bedient sich hiezu einer Art Hobelmaschine, eines einfachen Apparates, dessen wesentliche Einrichtung mit wenigen Worten sich beschreiben laͤßt. Zwei Walzen fassen das Lederband zwischen sich und leiten es uͤber eine glatte Flaͤche, uͤber welcher in einer der verlangten Lederdike gleichen Distanz queruͤber ein scharfes Messer befestigt ist. Das Messer kann durch Schrauben hoͤher oder niedriger gestellt werden, wodurch der Arbeiter in seiner Gewalt hat, dasselbe mehr oder weniger angreifen zu lassen, je nachdem es die Dike des Leders verlangt. Hinter dem Ruͤken des Messers befindet sich eine fuͤr die Aufnahme des geebneten Leders bestimmte Walze; indem nun diese Walze durch die bewegende Kraft in Umdrehung gesezt, und auf diese Weise das Leder zwischen der glatten Unterlage und dem Messer gewaltsam hindurchgezogen wird, schaͤlt es sich an der oberen Seite ab. Nachdem das Leder auf diese Weise vorbereitet worden ist, so erfolgt das Einstechen jener unzaͤhligen feinen Loͤcher, durch welche nachher die Drahthaͤkchen gestekt werden sollen. Man bedient sich zu dieser Operation eines mit vielen Spizen versehenen Kammes, dessen Bewegungen aus einem sinnreichen Mechanismus hervorgehen. Der als Haupttheil dieser Maschine zu betrachtende Kamm besteht aus einer eisernen Schiene A, A, Fig. 60, an welche mehrere Stahlplaͤttchen a, b, c, d... festgeschraubt sind. Jedes dieser Plaͤttchen enthaͤlt 6 feine Spizen, von denen je 2 naͤher beisammen stehen. Waͤhrend das Leder unter den Spizen langsam fortruͤkt, bewegt sich die Schiene A, A auf und nieder, und die Kammspizen stechen bei jedem Niedergang eine Loͤcherreihe in das Leder. Damit jedoch die nachherige Vertheilung der Drahthaͤkchen auf dem Krazenleder in einer passenden Ordnung erfolgen koͤnne, muͤssen die Loͤcher in einer solchen Reihenfolge eingestochen werden, daß nie ein Loch unmittelbar unter das Loch der vorhergehenden Reihe kommt. Daher macht der Kamm A, A waͤhrend seines Auf- und Niedersteigens zugleich eine hin- und herwechselnde Seitenbewegung, worauf sich die Loͤcherreihen in der Fig. 61 dargestellten Ordnung bilden. Es sind nun zwei Arten solcher Stechmaschinen hier in Gebrauch, naͤmlich solche, welche schmale Kardenblaͤtter, und solche, welche Kardenbaͤnder bearbeiten. Von der lezteren Art wird die Skizze, Fig. 62, einen beilaͤufigen Begriff geben. A, B ist ein gußeiserner, um die Achse A drehbarer Hebel, welchem durch die Umdrehungen des Schwungrades D, D mit Huͤlfe des Krummzapfens b und der Zugstange c die auf- und abschwingende Bewegung mitgetheilt wird. Er traͤgt ungefaͤhr in seiner Mitte den Stechkamm a. Unter diesem befindet sich eine eiserne Unterlage d mit einer rinnenfoͤrmigen, zu den Kammspizen parallellaufenden Vertiefung, in welche die Spizen eindringen, nachdem sie das Leder durchstochen haben. Das Kardenleder wikelt sich auf eine Walze C auf; weil die Loͤcher schief durch das Leder gehen muͤssen, so wird es in schraͤger Richtung, und zwar ruͤkweise unter dem Kamme weggezogen, wobei die Walzenpaare e, e und f, f als Leitung dienen. Nach jedem Niedergange des Hebels dreht sich die Walze C so weit um, als die Entfernung der Loͤcherreihen von einander betraͤgt. Zur Erzielung der oben erwaͤhnten Seitenbewegungen des Kammes dient ein sinnreicher Mechanismus, welcher die Achse A, mithin auch den Hebel A, B und den Kamm a in dem Moment, wo der Hebel seine hoͤchste Stellung erreicht hat, bald nach der einen, bald nach der anderen Seite hin verschiebt. Die Maschine zum Durchstechen derjenigen Krazenblaͤtter, welche auf die Trommeln oder Walzen der Krempelmaschinen parallel zur Achse befestigt werden sollen, weicht in ihrer Einrichtung von der so eben erwaͤhnten Stechmaschine etwas ab. Das Leder wird naͤmlich hier in einen eisernen Rahmen gespannt, und dieser wird unter den Kammspizen auf aͤhnliche Weise, wie der Klozwagen bei den Saͤgmuͤhlen, fortbewegt. Der Kamm selbst ist nicht an einen einzigen Hebel, sondern zwischen einen auf- und niederschwingenden Rahmen befestigt. Die ganze Maschine ist breiter. Die Verfertigung der Drahthaͤkchen selbst geschieht außerordentlich schnell auf kleinen Maschinchen, von denen 10 in einer Reihe auf einem langen Tische stehen. Alle 10 Maschinen werden mittelst Kurbel und Schwungrad von einem einzigen Weibe in Bewegung gesezt. Jede derselben kann in einer Minute 100 oder in einer Stunde 6000 solcher Doppelhaͤkchen liefern; mithin waͤre jene Arbeiterin im Stande, in 8 Stunden mit allen 10 Maschinen 480,000 oder beinahe eine halbe Million Haͤkchen zu erzeugen. Zwei Stahlwalzen liefern den feinen Krazendraht unter die Vorrichtung, ein kleines Messer schneidet ein Stuͤk von der erforderlichen Laͤnge ab, unmittelbar darauf druͤkt ein herabsteigender Vorsprung dieses Drahtstuͤk in eine Vertiefung hinab und bildet die beiden rechten Winkel des Doppelhaͤkchens, zulezt biegt eine horizontal hervorspringende Schiene die beiden Drahtenden stumpfwinklich um; diese 4 Operationen muͤssen in Zeit von kaum einer Secunde auf einander folgen. Die Maschinen liefern, je nach dem Bedarf, groͤbere und feinere Haͤkchen. Einige Notizen uͤber die Steinkohlengruben Ath und Guley bei Aachen. Die Kohlengrube Ath, dem Hrn. Kockerill gehoͤrig, liegt eine Stunde von Aachen, bei dem Dorfe Badenberg. Die Kohlenfoͤrderungsmaschine zu 20 Pferdekraͤften foͤrdert jedesmal 8 Schaͤffel, der Schaͤffel dort zu 120 Pfund gerechnet. Von der neuen, 120 Pferdekraͤfte starken Wasserfoͤrderungs-Dampfmaschine, welche aus John Kockerill's Werkstaͤtten in Seraing bezogen wurde, wird verlangt, daß sie in 24 Stunden 100,000 Kubikfuß Wasser auf eine Hoͤhe von 1000 Fuß hebe. Mit dieser Maschine steht eine eigenthuͤmliche Vorrichtung, Katarakt genannt, in Verbindung, die den Zwek hat, zwischen zwei auf einander folgenden Kolbenhuͤben Pausen von beliebiger Dauer eintreten zu lassen. Die beiden Foͤrderungstaue sind bandfoͤrmig ungefaͤhr 5 Zoll breit und 3/4 Zoll dik; sie wikeln sich auf ganz schmalen Trommeln, die nur wenig breiter als das Tau selbst sind, auf, wobei keine Windung neben die andere, sondern alle auf einander zu liegen kommen. Außer der groͤßeren Tragfaͤhigkeit und Biegsamkeit gewaͤhren die bandfoͤrmigen gewebten Taue bei der Schachtfoͤrderung noch den besonderen Vorzug vor den runden Seilen oder Ketten, daß sie jene nachtheilige Veraͤnderung des Momentes, welche bei der Foͤrderung mit gewoͤhnlichen Tauen aus der progressiven Gewichtszunahme auf Seite der leeren hinabgehenden Tonne und aus der gleichzeitigen Gewichtsabnahme auf Seite der emporsteigenden vollen Tonne resultirt, ziemlich ausgleichen. Denkt man sich naͤmlich im Grund des Schachtes eine volle Tonne im Begriff emporzusteigen und gleichzeitig oben in der Muͤndung des Schachtes eine leere Tonne im Begriff, in den Schacht zu sinken, so ist das Tau auf der ersteren Seite ganz abgewikelt und wirkt auf einen kleinen Hebelarm, auf der leztern Seite aber ganz auf sich selbst aufgewunden, und muß daher hier, als auf einen weit laͤngern Hebelarm wirkend, angesehen werden. Bei erfolgender Foͤrderung kann nun allerdings, besonders bei bedeutenden Tiefen, leicht der Fall eintreten, daß zulezt die leere Tonne und das zunehmende Tau zusammen die emporsteigende volle Tonne an Gewicht uͤbertreffen; allein nichts desto weniger wird bei der leztern das statische Moment stets uͤberwiegend bleiben, weil in dem Maaße, als auf Seite der leeren Tonne die Last sich vergroͤßert und auf derjenigen der vollen Tonne sich vermindert, auch die Hebelarme, auf welche die Lasten wirken, einerseits sich verkuͤrzen, andererseits zunehmen. Es wirkt daher das bandfoͤrmige Tau dadurch, daß es spiralfoͤrmig sich aufwikelt, bei der Schachtfoͤrderung in demselben Sinne, wie der Gerstner'sche Spiralkorb. Die Schachtfoͤrderung auf der benachbarten Grube Guley fand ich durch einen Unfall, der sich kurz vor meiner Ankunft ereignet hatte, unterbrochen. Das Schwungrad der Foͤrderungsmaschine war naͤmlich zersprungen, und ein abfliegendes, mehrere Centner schweres Stuͤk, hatte die ganze Steuerung zertruͤmmert. Die Entfernung des Grubenwassers bewerkstelligen zwei große Dampfmaschinen, von denen die eine durch ihre noch aus aͤlteren Zeiten Herruͤhrende Bauart merkwuͤrdig ist. Besondere Beachtung verdient die Anwendung zweier Drahtseile, welche hier durch den ganzen Schacht gespannt sind, und als Leitung fuͤr die auf- und niedersteigenden Eimer die Stelle der gewoͤhnlichen Holzleitung vortheilhaft vertreten. Die Methode der Drahtseilleitung ist ganz neu, und findet in den benachbarten Gruben immer mehr Eingang. Fig. 63 zeigt den an dieser Leitung auf- und niedergleitenden Mechanismus, an welchen die Foͤrderungswagen gehaͤngt werden. Er besteht aus einem eisernen Rahmen, A, dessen 4 gabelfoͤrmige Seitenarme die senkrechten Drahtseile a, a umfassen. Auf jeder Seite enthaͤlt der Rahmen 4 Frictionsroͤllchen b, b, b.... mit concaver Peripherie, welche die Drahtseile zwischen sich nehmen. Unten am Nahmen sind zwei Haken c, c angebracht; in diese wird der Foͤrderungswagen B mittelst zweier entsprechender Ringe eingehaͤngt. Die Eisenbahn, welche von der Grube Guley nach dem Ladungsplaze geht, besteht aus prismatischen, gewalzten Stabeisenschienen von 12 bis 16 Fuß Laͤnge, 21 Linien Breite und 4 Linien Dike, welche von 2 1/2 zu 2 1/2 Fuß auf hoͤlzerne, 2 Fuß lange Bloͤke genagelt sind. Hundert Lachter dieser Bahn kosteten 148 Rthlr. Die Foͤrderungswagen sind 4 Fuß lang, 1 Fuß breit und fassen 6 Centner Kohlen; sie laufen auf 4 gußeisernen, 1 Fuß im Durchmesser haltenden Raͤdern. Ein solcher Wagen kommt auf 18 Rthlr. Eigenthuͤmliche Feuersprize. Auf der Grube Guley bedient man sich bei vorkommenden Brandfallen der in Fig. 64 in der Seitenansicht dargestellten Feuersprize, welche sich vor andern tragbaren Sprizen durch ihre leichte und bequeme Transportabilitaͤt, so wie durch den eigenthuͤmlich construirten, sehr biegsamen Schlauch auszeichnet. Der Kasten oder Wasserbehaͤlter A ruht auf zwei Raͤdern und wird von einem Manne auf dieselbe Weise, wie ein Schiebkarren transportirt. Bei d befindet sich ein eiserner Fuß, welcher an Ort und Stelle dem Sprizenkasten als Stuͤze dient. Der zu dieser Sprize gehoͤrige Schlauch C besteht aus einem handbreiten, spiralfoͤrmig zu einer Roͤhre zusammengewundenen Lederstreifen, dessen uͤber einanderliegende Raͤnder mit breitkoͤpfigen Stiften vernietet sind. Die Richtung des Wasserstrahls ist in der Zeichnung durch Pfeile angedeutet. Der Mechanismus des Drukwerks bietet nichts Besonderes dar; a, c ist der um die Achse a bewegliche Drukhebel, bei b ist die Kolbenstange eingehaͤngt. H. Notizen aus Luͤttich und seiner naͤchsten Umgebung. Koͤnigliche Kanonengießerei in Luͤttich. Etablissement von Lamarche und Brain in Ougrée. Eisenbahn mit geneigter Ebene bei Ougrée. Kohlengrube Val-Benoit. Anonyme Gesellschaft fuͤr die Fabrication der Aloë-Taue. Die Koͤnigliche Kanonengießerei. Der Ursprung dieses Etablissements, welches unter allen Kanonengießereien des Continents, hinsichtlich feiner kolossalen Ausdehnung und der Vollkommenheit seiner Producte den ersten Rang einnimmt, datirt sich vom Jahr 1804, wo es als Privatunternehmung eines Pariser Mechanikers bereits einen guten Absaz hatte. Da das Werk jedoch waͤhrend der Kriege wegen seiner noch unbedeutenden Productivitaͤt den Beduͤrfnissen der damaligen Zeit nicht entsprach, so brachte es Napoleon an sich und ließ es in großartigerem Maaßstabe erweitern und einrichten. Die ganze Anlage soll 12 Millionen Franken gekostet haben. Mit dem Kaiserreich sank auch dieses Werk, hob sich aber vom Jahr 1816 an nach und nach zu einer bisher unerreichten Hoͤhe; die Regierung hatte seine Reorganisation einem belgischen Officier von hohen Verdiensten und vorzuͤglichen technischen Kenntnissen, Namens Huguenin, uͤbertragen. Dieser Mann gab hier und dort zu wesentlichen Verbesserungen Anlaß, ordnete fuͤr den Bronzeguß gute Mischungsverhaͤltnisse an, organisirte eine Reihe genauer Versuche, kurz er trug zu einer rationellen Begruͤndung dieses so schwierigen technischen Zweiges wesentlich bei. Unter seiner Leitung gingen aus dieser Fabrik 4000 Feuerschluͤnde hervor, womit die niederlaͤndische Marine und mehrere Festungen ausgestattet wurden. Seit der Revolution von 1830 hat das Etablissement an seinem Glanz nichts verloren. Seine neuesten Verbesserungen verdankt es den gegenwaͤrtigen Director, Major Frederix, welcher insbesondere die Darstellung des gußeisernen Geschuͤzes auf einen solchen Grad vervollkommnete, daß dieses selbst mit den besten schwedischen Eisenkanonen die Concurrenz bestehen kann. Die Gießerei in Luͤttich ist die einzige, welche den Guß des bronzenen und eisernen Geschuͤzes vereinigt. Um dem Etablissement auch fuͤr den Fall, daß mit der Zeit einmal etwa die vollkommene Befestigung des Friedens auf dessen Fortbestehen als Stuͤkgießerei nachtheilig influiren sollte, dennoch immer die Anzahl von Arbeitern, welche bisher darin Beschaͤftigung fanden, zu erhalten, richtete der Director Frederix auch ein Atelier fuͤr gußeiserne Kunstgegenstande ein, aus welchem bereits außer andern Werken namentlich eine sehr gelungene Buͤste des Koͤnigs der Belgier hervorging. Das Etablissement umfaßt zwei Gießereien mit 12 Flammenoͤfen. Das in einem besondern Gebaͤude befindliche Bohrwerk zaͤhlt 12 Bohrbaͤnke, welche alle in einer Reihe liegen. Fig. 65 enthaͤlt die Skizze einer dieser Bohrmaschinen. Waͤhrend die Kanone A zwischen zwei Lagern langsam um ihre Achse rotirt, in 8 Secunden eine Umdrehung machend, wird der ruhende Bohrer a durch folgenden Mechanismus der Kanone entgegen gefuͤhrt. Er ist auf einem beweglichen, mit 4 Rollen b, b versehenen Gestelle B befestigt, das auf einer kleinen Eisenbahn laͤuft. An diesem Gestelle befindet sich die gezahnte Stange c, c, in welche das Getriebe d eingreift; dieses sizt an der Achse eines großen, schraͤgverzahnten Rades C, C. Der lange Arm e, g des Hebels e, f traͤgt an seinem Ende ein schweres Gewicht P, von dessen Groͤße der Druk abhaͤngt, mit welchem der Bohrer gegen die Kanone angetrieben wird; vom kuͤrzeren Hebelarm haͤngt an einer Kette der Haken h herab, greift in die schraͤgen Jahne des Rades C, C, und strebt, es vermoͤge des Zuges des Gewichtes P, nach der durch den Pfeil angegebenen Richtung umzudrehen. Auf welche Weise nun das Gewicht P die Bewegung des Bohrers gegen die Kanone veranlaßt, ist aus der Zeichnung deutlich. Wenn der Hebel e, f nach und nach etwa in die Linie i, i herabgesunken ist, und die Zugkette f, h entsprechend in eine solche Lage sich gehoben hat, wobei die Kraft eine unvortheilhafte schiefe Richtung i, k gegen den Hebelarm d, k anzunehmen beginnt, so ist es Zeit, den Hebel in seine urspruͤngliche Lage e, f zuruͤkzubringen, damit die Zugkette wieder rechtwinklich auf das Rad C, C wirken koͤnne. Dazu dient die kleine Winde D, welche aus einem mit einer Handkurbel versehenen Getriebe und einem Rade besteht, von dessen Welle aus ein Strik aufwaͤrts gebt, uͤber die Rolle l laͤuft und an das Ende e des Hebels befestigt ist. Bei dieser Anordnung folgt aus statischen Gruͤnden, daß der Druk, mit welchem der Bohrer auf die Kanone wirkt, veraͤnderlich ist, d.h. mit seinem Eindringen sich vermindert, und daß man, wenn diese Verminderung unmerklich seyn soll, das Gewicht P nur um einen sehr kleinen Bogen sinken lassen darf. Wollte man aber den Druk des Bohrers waͤhrend seines Eindringens absolut unveraͤnderlich erhalten, so muͤßte man vor Allem dafuͤr sorgen, daß das statische Moment der bewegenden Kraft constant bleibe. Ich wuͤrde daher dem Rade C, C, statt der Zaͤhne, 4 bis 6 krumme Hebel, A, B, C, D, Fig. 66, geben, und ihre Kruͤmmung nach einer aus der Peripherie des Rades erzeugten Kreisevolvente bilden; auch am Endpunkt d des Hebels c, d wuͤrde ich eine solche krumme Verlaͤngerung E, aus dem von dem Ende d beschriebenenen Kreisbogen erzeugt, ansezen und das Gewicht P, wie das Laufgewicht einer Schnellwaage, daran haͤngen; die Zugkette c, a muͤßte bei a mittelst eines Roͤllchens frei auf die Concavitaͤt der Kruͤmmung A wirken. Unter diesen Umstaͤnden folgt aus der Natur der Kreisevolvente, daß das Gewicht P beim Sinken des Hebels stets in der senkrechten Linie d, f verharren muß, wobei die Curve E unter ihm weggleitet, daß ferner die Zugkette, so lange sie auf die Kruͤmmung A, und somit auf die Drehung des Rades wirkt, nicht aus der senkrechten Linie c, a weichen kann. Es waͤre daher der oben ausgesprochene Zwek der Unveraͤnderlichkeit des statischen Momentes erreicht. Erst, nachdem das Rad um einen ganzen Quadranten sich gedreht hat, wenn die Curve A in die Lage B, die Curve D in die Lage A, und das Roͤllchen von a nach b gekommen ist, mag es gut seyn, den Hebel in seine urspruͤngliche Lage c, d zuruͤkzubringen. Man wuͤrde durch diese Modification des Apparates außer dem gleichfoͤrmigen Druk des Bohrers auch noch den besonderen Vortheil erreichen, daß die Arbeit keinen so haͤufigen Unterbrechungen durch das Emporwinden des Gewichtes ausgesezt waͤre, indem dieses nach Fig. 66 nur viermal waͤhrend eines Radumganges vorgenommen werden duͤrfte. Jede Bohrdank enthaͤlt zugleich einen laͤngs der Kanone verschiebbaren Support, damit die Kanone waͤhrend des Bohrens zugleich von außen abgedreht werden koͤnne. Das Etablissement besizt außerdem noch zwei Ateliers mit 15 Schmiedefeuern, einen Heizofen fuͤr das grobe Geschuͤz, mehrere senkrechte Bohrmaschinen zum Bohren von Zuͤndloͤchern, eine Muͤhle zum Mahlen des Formsandes u.s.w. Sechs Dampfmaschinen entwikeln ihre Kraͤfte zur Betreibung saͤmmtlicher mechanischen Apparate. Den weiten Hofraum durchkreuzen mehrere Eisenbahnen von betraͤchtlicher Spurweite, auf welchen die gegossenen Stuͤke leicht und bequem aus der Gießerei in die andern Werkstaͤtten transportirt werden. Schließlich erwaͤhne ich noch einer in dieser Fabrik eingefuͤhrten neuen Methode, die Bewegung mittelst eines eigenthuͤmlich zugerichteten Riemens ohne Ende fortzupflanzen. A Fig. 67 zeigt die Ansicht dieses Riemens in horizontaler Projection, B im Profile; er besteht aus zwei uͤber einander gesteppten Lederbaͤndern von 5 Zoll Breite, zwischen welche von 6 zu 6 Zoll cylindrische 1/2 Zoll dike Holzstabe a, a, a queeruͤber eingenaͤht sind. C zeigt einen Theil des gußeisernen, zum endlosen Riemen gehoͤrigen Rades in der Seitenansicht; sein Umfang besizt wellenfoͤrmige Vertiefungen, in welche sich die durch das Einnaͤhen der Holzstuͤke entstandenen Erhabenheiten des Riemens legen. Bei den gewoͤhnlichen glatten Riemen ohne Ende findet der Uebelstand statt, daß sie da, wo es einen bedeutenden Widerstand zu uͤberwaͤltigen gilt, nicht leicht anwendbar sind, weil sie in diesem Falle auf den Raͤdern, uͤber welche sie geschlagen sind, gerne rutschen. Wenn man auch die Raͤder, um die Friction zu erhoͤhen, mit Furchen versieht, so geschieht dieß doch nur auf Kosten der Dauerhaftigkeit des Riemens, ohne viel zu nuͤzen; spannt man den Riemen aber zu sehr an, so leiden die Achsen der Raͤder und ihre Lager durch den gewaltigen Druk. Der hier in Rede stehende Riemen dagegen wirkt mehr als endlose Kette, indem seine Erhoͤhungen in die correspondirenden Vertiefungen des Rades foͤrmlich eingreifen und einen kraͤftigen, der Ueberwaͤltigung eines sehr bedeutenden Widerstandes gewachsenen Halt gewaͤhren, ohne daß eine starke Spannung des Riemens nothwendig waͤre. Diese einfache Erfindung duͤrfte, wenn sich ihre Brauchbarkeit vollkommen herausgestellt hat, fuͤr das Maschinenwesen von vielem Werthe seyn. Die vorlaͤufig angestellten Versuche fielen sehr befriedigend aus. Etablissement von Lamarche und Brain in Ougrée. Dieses sehr bedeutende, eine Stunde oberhalb Luͤttich am rechten Ufer der Maas gelegene Werk, welches ich jedoch nur im Voruͤbergehen in Augenschein nehmen koͤnnte, umfaßt eine Maschinenfabrik, Eisengießerei, Puddlingfrischerei, Blech- und Stabwalzwerke. Eine Dampfmaschine von 130 Pferdekraͤften, mit einem Kolbenhub von 8 Fuß, treibt die Walzwerke, einen Hammer und zwei maͤchtige Eisenscheeren. Das Gewicht des Puddlinghammers wurde zu 134 Centner angegeben. Eisenstaͤbe, welche denselben in einer Laͤnge von 1 1/2 Fuß verließen, wurden in einer Minute zu einer Laͤnge von 12 Fuß ausgewalzt. Zwei Scheeren werden von einer Welle aus mittelst zweier excentrischer Scheiben in Bewegung gesezt; sie sind zu beiden Seiten der leztern angeordnet, und die Excentrica, worauf ihre Schenkel ruhen, sind so gestellt, daß die eine Scheere sich schließen muß, waͤhrend die andere sich oͤffnet. Außer jener gewaltigen Dampfmaschine sind noch 5 andere zur Betreibung von Dreh- und Bohrwerken und andern mechanischen Apparaten in Thaͤtigkeit; unter diesen befindet sich eine Dampfmaschine von 12 Pferdekraͤften ohne Balancier, welche besonders dadurch interessant ist, daß sie einen sehr geringen Raum einnimmt. Das Ende der Kolbenstange ist unmittelbar mit einer aus drei beweglichen Staͤben zusammengesezten Gegenlenkung verbunden, welche die Kolbenstange waͤhrend ihrer Bewegung stets in der senkrechten Linie erhaͤlt; von demselben Ende geht eine Lenkstange aufwaͤrts nach einem Krummzapfen, an dessen Achse das Schwungrad sizt. Eisenbahn mit geneigter Ebene bei Ougrée. Nicht weit von dem zulezt erwaͤhnten Etablissement liegt ein Steinkohlenbergwerk, von welchem aus eine doppelte Eisenbahn auf einer schiefen Flaͤche zum Abladepunkt an die Maas hinabfuͤhrt. Wegen der Steilheit des Berges mußte ein sanft ansteigender Viaduct auf hohen Bogenbauten angelegt werden, auf welchem der groͤßere Theil der Eisenbahn fortgeleitet ist. Die ganze Laͤnge der Eisenbahn betraͤgt 640 Fuß; davon besizt eine Streke von 384 Fuß ein Gefaͤlle von 1/16, und eine Streke von 256 Fuß ein Gefaͤlle von 1/8. Die vollen Steinkohlenkarren werden, so wie sie aus der Grube kommen, auf besondere Plattformwagen gestellt und durch eine Dampfmaschine mit liegendem Cylinder hinabgelassen, waͤhrend gleichzeitig auf der andern Bahn die leeren Karren zuruͤkgehen. Die Foͤrderung geschieht innerhalb zwei Minuten, also mit einer Geschwindigkeit von 5,3 Fuß in der Secunde, und zwar mittelst bandfoͤrmig gewebter Seile. Die Bahnschienen sind 15 Fuß lang, parallel, ohne wellenfoͤrmiger Unterflaͤche, 2 Zoll hoch und oben 3/4 Zoll breit. Von 2 zu 2 Fuß ruhen sie zwischen gußeisernen Traͤgern oder Chairs, die auf querliegende Holzbloͤke genagelt sind. Ihre Befestigung an diese Traͤger geschieht mit Huͤlfe flacher Keile, welche von der Seite her in die zwischen der Schiene und der Wand des Traͤgers bleibende Spalte geschoben werden. Fig. 68 stellt den Traͤger a, a mit der Schiene b und dem eingetriebenen Keil c im senkrechten Durchschnitt dar. Die Spurweite der Bahn betraͤgt 2 Fuß, die Entfernung der einander zunaͤchst liegenden Schienen beider parallelen Bahnen 1 1/2 Fuß. Damit das Zugtau nicht auf der Erde schleife, sind von 16 zu 16 Fuß zwischen den Bahngeleisen gußeiserne Seilleitungsrollen angebracht, uͤber welche die Transportwagen ohne Hinderniß wegrollen; jede Bahn besizt demnach 40 solcher Rollen. Fig. 69 zeigt die Rolle, welche 1 Fuß im Durchmesser und 8 Zoll in der Breite mißt, mit ihrem gußeisernen Lager in der vorderen Ansicht und im Profil. Eine Gloke am Fuß der schiefen Flaͤche gibt dem auf der Hoͤhe befindlichen Maschinenwaͤrter das Zeichen, wenn er die Maschine zur Foͤrderung anlassen soll. Kohlengrube Val-Benoit. Diese, dem beruͤhmten Fabrikanten Max Lesoinne gehoͤrige Grube, liegt ganz nahe bei Luͤttich am linken Maasufer. Die Kohlenfoͤrderung geschieht aus einem 600 Fuß tiefen Schacht mittelst flacher, in Spaa angefertigter Taue, welche 8 Zoll in der Breite und 2 Zoll in der Dike messen. Wo der Schacht zu Tage geht, ist eine sehr zwekmaͤßige Anordnung getroffen, welche den Arbeitern das Heruͤberziehen der vollen Steinkohlenwagen uͤber die Schachtoͤffnung erspart. Die Skizze in Fig. 70 wird hievon eine deutliche Anschauung geben. Die Stelle der sonst uͤblichen Fallthuͤren vertritt hier eine mit Rollen unterlegte Buͤhne oder Plattform A, welche auf einer geneigten Eisenbahn a, a uͤber den Schacht gerollt werden kann. Das Heraufziehen der Buͤhne wird von einem Individuum durch Umdrehung der mit Kurbel und Sperrrad versehenen Winde b, von welcher aus ein Seil erst um die horizontale Rolle c laͤuft und dann an die Buͤhne A befestigt ist, bewerkstelligt. Waͤhrend der Foͤrderung ist die Schachtoͤffnung frei und die Buͤhne verharrt in der auf der Zeichnung angegebenen Lage. Sobald aber der Steinkohlenwagen B zu Tage angelangt ist, wird der bei b ins Sperrrad greifende Sperrhaken frei gemacht, worauf die Buͤhne von selbst uͤber den Schacht rollt, an die Eisenbahn d sich anschließend. Nun laͤßt der Maschinenwaͤrter den Foͤrderungswagen auf die Buͤhne herabsinken; wegen der geneigten Lage der lezteren rollt er uͤber dieselbe hinweg nach der Eisenbahn d hin, auf welcher er sofort, nachdem das Tau losgemacht worden ist, weiter geschoben wird. Wenige Schritte vom Schacht ist eine sogenannte selbstwirkende schiefe Flaͤche, self-acting inclined plane, mit einer Doppelbahn angelegt. Auf ihrem Gipfel befindet sich eine horizontale Welle mit zwei Ketten, welche sich nach entgegengesezter Richtung auf- und abwikeln, so daß, wenn das Ende der einen Kette am Fuß der schiefen Flaͤche angelangt ist, das Ende der andern Kette die Hoͤhe erreicht hat. Der volle, gegen 8 Centner fassende Steinkohlenwagen wird oben an die Kette befestigt, an den Rand des Abhanges geschoben und dann sich selbst uͤberlassen; indem er hinabrollt zieht er zugleich auf der andern Bahn durch sein Uebergewicht einen leeren Karren die schiefe Flaͤche hinauf. Bemerkenswerth ist das an der erwaͤhnten horizontalen Welle applicirte, in Fig. 71 von der Seite abgebildete Bremswerk, welches dazu dient, die allzugroße Beschleunigung des hinabrollenden Kohlentransportes zu maͤßigen. A ist eine an der Foͤrderungswelle sizende eiserne Scheibe, gegen welche der Aufseher im noͤthigen Falle die Bremsbaken b, c anpreßt; diese sind an die eisernen, durch die Stange d mit einander in Verbindung stehenden Hebel B und C befestigt. Die Achse a ist die einzige, welche in einem festen Lager ruht: um diese dreht sich das ganze System. Zur Handhabung des Bremswerks dient der Griff e. Anonyme Gesellschaft fuͤr die Fabrication der Aloë-Taue. Von welcher Bedeutung die Fabrication der Seile in Belgien ist, laͤßt sich schon an ihrer großen Consumtion als Foͤrderungsmittel in den Kohlenminen abnehmen. Die steigende Nachfrage nach Zugtauen fuͤr die immer zahlreicher werdenden Steinkohlengruben, ihr hoher Preis und ihre schnelle Abnuͤzung, erwekte auch hier mit Recht die Grundsaͤze der Oekonomie, und leitete die speculative Thaͤtigkeit auf ein neues Feld der Industrie. Es bildete sich naͤmlich vor wenigen Jahren eine anonyme Gesellschaft fuͤr die Fabrication von Seilen und Foͤrderungstauen aus dem Baste der Aloëblatter mit einem Capital von 500,000 Franken. In allen Seehaͤfen Europa's, so wie in allen groͤßeren Staͤdten Belgiens finden sich Depots von diesem Fabricat. Zur Zeit meines Besuchs in Belgien waren flache Aloëtaue bereits in mehreren bedeutenden Steinkohlengruben mit dem besten Erfolg eingefuͤhrt. Das flache, in den Gruben des Hrn. Braconier bei Luͤttich arbeitende Aloëtau besteht aus 6 runden Seilen, ist 6 Zoll breit und 1 Zoll dik und wiegt 10 Pfund auf drei Fuß Laͤnge. Der Ingenieur Chevremont stellte Versuche mit Aloëseilen an, beobachtete die im Gebrauch befindlichen und verglich ihre Leistungen mit denjenigen der Hanftaue. Als Resultate dieser Forschungen ergaben sich folgende Eigenthuͤmlichkeiten, welche die Aloëtaue charakterisiren, und ihnen ruͤksichtlich der Foͤrderung in den Steinkohlengruben und andern Bergwerken den Vorzug vor den Hanftauen geben. 1) Die Aloëseile repraͤsentiren ein Tragvermoͤgen, welches im Mittel viermal groͤßer ist als dasjenige der Hanfseile von gleichem Durchmesser und durch einerlei Verfahren erzeugt. 2) Der Aloëbast enthaͤlt eine von Natur harzige Substanz, welche die aus ihm verfertigten Taue vor den schaͤdlichen Einfluͤssen der Feuchtigkeit schuͤzt und das Betheeren unnoͤthig macht. Man will gefunden haben, daß Hanfseile durch das Theeren beinahe 1/4 ihrer Tragkraft einbuͤßen. 3) Die glatte Oberflaͤche der Aloëtaue, welche ihnen einen besondern Glanz gibt, ist sehr geeignet, die Reibung zu vermindern und die Abnuͤzung zu verzoͤgern. Sie wurden, in endloser Gestalt uͤber Rollen laufend, zur Fortpflanzung der Bewegung bei Maschinen benuͤzt und von zehnmal so großer Dauer als Hanfseile von gleichem Durchmesser gefunden. 4) Das specifische Gewicht der Aloëtaue verhaͤlt sich zum specifischen Gewicht der Hanftaue, wie 9 : 15. Diese große Leichtigkeit ist ein fuͤr die Schachtfoͤrderung sehr zu beachtender Vorzug, namentlich da, wo es sich um bedeutende Tiefen handelt. 5) Die Aloëseile verlieren nichts von ihrer Tragkraft, wenn sie benezt werden, wogegen die Hanfseile, selbst wenn sie neu sind, durch Benezung 1/3 ihres Tragvermoͤgens einbuͤßen. 6) Taucht man ein neues Aloëseil ins Wasser, so verkuͤrzt es sich nur um 2 Procent, das Hanfseil um 9 Procent. 7) Die Aloëtaue zeichnen sich vor den hanfenen durch ihre ungemeine Biegsamkeit aus. Wer den Straffheits-Widerstand kennt, welchen namentlich ein dikes Hanftau beim Biegen um eine Rolle darbietet, der wird diesen Vortheil der Aloëtaue zu wuͤrdigen wissen. (Beschluß im naͤchsten Hefte.)

Tafeln

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