Titel: Rauchverzehrende Herde für den Haushalt; von Hrn. Boquillon, Bibliothekar am Conservatorium der Künste und Gewerbe zu Paris.
Fundstelle: Band 139, Jahrgang 1856, Nr. IX., S. 23
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IX. Rauchverzehrende Herde für den Haushalt; von Hrn. Boquillon, Bibliothekar am Conservatorium der Künste und Gewerbe zu Paris. Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, Juli 1855, S. 405. Mit Abbildungen auf Tab. I. Boquillon's rauchverzehrende Herde für den Haushalt. In unserer Zeit, wo man bei den häuslichen Feuerungen das Holz immer mehr durch Steinkohle ersetzt, wird es aus Rücksichten der Reinlichkeit und hauptsächlich der Gesundheit nothwendig, alle Feuerungsapparate so einzurichten, daß sie keinen Rauch entwickeln. In dieser Beziehung ist die vorliegende Erfindung wichtig, besonders wenn man die einfache, sichere und mit weniger Kosten verbundene Art berücksichtigt, in welcher dabei die Aufgabe gelöst wurde. Wir wollen zuvörderst die Grundsätze angeben, welche den Erfinder bei seinen vielfachen Versuchen seit 1849 geleitet haben. Sie bestehen im Wesentlichen oder vielmehr einzig und allein darin, die Destillationsproducte der Steinkohlen durch irgend eine Vorrichtung zu veranlassen, daß sie durch einen gewissen Theil der glühenden Kohks strömen, welche von einem früheren Schüren herrühren, indem dadurch die Temperatur dieser gasförmigen Producte erhöht und die vollständige Verbrennung derselben bewirkt wird. Wir beschränken uns darauf, die beiden Hauptformen der Apparate zu beschreiben, denen Hr. Boquillon den Vorzug gibt. Der erste läßt sich am besten mit einer Heuraufe (für Pferdeställe) vergleichen, welche sich um zwei horizontale Zapfen dreht und aus einer Anzahl von Gittern besteht, die eben so viele Thüren bilden, welche sich um Zapfen drehen. Die am obern Theil befindlichen Thüren bleiben durch ihr eigenes Gewicht auf den beiden Endplatten des Cylinders liegen, wogegen die am untern Theil vorhandenen durch zwei Kreisbogen festgehalten werden, die an der innern Fläche der Wangen oder Ständer, welche die Cylinderzapfen tragen, befestigt sind. Es folgt aus dieser Einrichtung, daß der Apparat an seinem obern Theil stets eine zu öffnende Thür hat. Wir wollen annehmen, der Apparat habe eine erste Kohlencharge erhalten und enthalte nur noch glühende Kohks. Man öffnet nun mittelst einer Zange oder eines Schürhakens die obere Thür und schürt Kohlen ein, verschließt die Thür wieder und dreht mit demselben Werkzeug den Apparat so, daß die Destillationsproducte einen Theil der glühenden Kohks durchströmen müssen, ehe sie in die Esse gelangen. Verfolgt man diesen Betrieb des Apparates mit Aufmerksamkeit, so bemerkt man nach dem Schüren Rauch, der aber verschwindet, sobald er durch Drehung des Cylinders durch die glühenden Kohks zu strömen genöthigt wird, als Flamme wieder erscheint und dann in die Esse gelangt. Unter diesen Umständen kann der Apparat in einem gewöhnlichen Kamin angebracht werden, wo er wie ein gewöhnlicher Rost wirken wird. Um aber die entwickelte Wärme besser benutzen zu können, hat Hr. Boquillon den sein Zimmer erwärmenden Apparat auf folgende Weise eingerichtet: Der cylindrische Rost ist in einer Art Gerinne angebracht, welches Aehnlichkeit mit dem Mantel oder Kropf eines mittelschlägigen Wasserrades hat und dessen Boden als Aschenfall dient; er berührt fast die senkrechte Wand, welche in einen kleinen Rauchmantel ausläuft, der einen kleinen, aber hinreichenden Theil des Rostes bedeckt. Um die gewöhnlich in die Esse entweichende Hitze zu benutzen, müssen die heißen Gase, ehe sie dahin strömen, eine Reihe von blechernen Zügen durchlaufen, die eine Art Ofen bilden. Durch diese vortheilhafte Einrichtung wird alle Hitze des Herdes in das Zimmer ausgestrahlt und man gewinnt auch noch diejenige des blechernen Ofens. Endlich kann man noch, ohne die Wirkung des Apparates im geringsten zu behindern, auf und vor dem Herde, in der Höhe seiner Achse, zwei flache Roste anbringen, welche zu erwärmende Gefäße aufnehmen. Die zweite Herdform kann man durch Wegnahme einer oder mehrerer Thüren der erstem vorrichten; sie bildet alsdann einen gewöhnlichen Herd, der an zwei Zapfen hängt, oder vielmehr dessen hinterer voller Theil die Form einer Schale hat. Ein bloßes Senken dieses hinteren Theiles veranlaßt ein Gleiten der Kohks in die Vertiefung dieses Theiles, und gestattet das Einschüren von frischen Kohlen an der Vorderseite. Man richtet nun den Apparat wieder auf; ein Theil der brennenden Kohks bedeckt die frische Kohle, deren Verbrennung daher unter den oben beschriebenen Bedingungen erfolgt. Der Berichterstatter der Société d'Encouragement, Hr. Silbermann, bemerkt über diese Apparate Folgendes: „Wir haben den ersten dieser beweglichen Herde in Wirksamkeit gesetzt, und sind überzeugt daß seine Benutzung eine sehr einfache ist. Wir haben bald wenig, bald viel geschürt, und sobald wir die Bedingungen erfüllt, welche das Princip des Erfinders ausmachen, sobald wir den Rost in einer Stellung erhielten, welche die Verbrennungsproducte nöthigte durch einen Theil der glühenden Kohks zu strömen, so gaben diese Producte stets Flamme ohne Rauch. Wir haben aber noch mehr gethan; wir warfen frische Steinkohlen auf glühende Kohks, wir verwandelten direct den sich bildenden dicken Rauch in eine schöne Flamme, indem wir den Apparat und folglich die relative Lage der beiden Brennmaterialien, durch einen kleinen Zangenstoß veränderten. Kurz, alle unsere Versuche mit dem Boquillon'schen Apparat haben dessen große Brauchbarkeit herausgestellt. Beschreibung der Abbildungen. – Wir haben nur den einen der beiden Boquillon'schen Apparate abgebildet, da der zweite so wenig von demselben abweicht, daß eine Abbildung desselben unnöthig ist. Fig. 5 Seitenansicht des Apparats oder Aufriß, nach einer Ebene die senkrecht auf der Mitte der Achse der Aufhängung steht. Fig. 6 Ansicht von vorn oder Aufriß, nach einer senkrechten Ebene welche durch die Aufhängungsachse geht. A, A runde Platten, um welche herum die verschiedenen Thüren angebracht sind, deren Ganzes ein cylindrisches Gehäuse bildet. B, B Zapfen, welche in den Rändern P, P liegen und in der Mitte der Platten angebracht sind. Diese Zapfen bilden die Drehungsachse des Apparates. Der Rost besteht aus fünf Thüren, die durch Vereinigung mehrerer Stäbe gebildet sind; diese Thüren sind um hervortretende Lappen C, C, C, C, C beweglich. Da sie nun durch ihr eigenes Gewicht geschlossen bleiben, so werden diejenigen, welche der Reihe nach (beim Drehen des Apparats nach dem Einbringen von Brennmaterial) unten hin kommen, an die Platten A, A durch die Kreisbogen F, F gedrückt, welche an den Ständern, einander gegenüber, befestigt sind. Will man ein Gefäß erwärmen, so braucht man es nur auf eine von den Thüren zu stellen, die man so öffnet, daß sie die in den Figuren angegebene horizontale Lage einnimmt.

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