Titel: Neuerungen an Zimmeröfen.
Autor: H. Rl.
Fundstelle: Band 243, Jahrgang 1882, S. 215
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Neuerungen an Zimmeröfen. Patentklasse 36. Mit Abbildungen auf Tafel 19. Neuerungen an Zimmeröfen. Das Werk Hohenzollern, Actiengesellschaft für Locomotivbau in Düsseldorf (* D. R. P. Nr. 13296 vom 18. September 1880) hat einen Zimmerofen (Fig. 4 und 5 Taf. 19) angegeben, welcher sich theils durch eine groſse Heizoberfläche bei gedrungener Form, theils durch die mit demselben verbundene Anwendung von zahlreichen Circulationskanälen für die Zimmerluft auszeichnet. Das Bestreben der Construction ist darauf gerichtet, an keiner Stelle des Ofens, sobald dieser im Betrieb ist, eine ruhende Luftschicht zu gestatten, sondern durch raschen Umlauf der Zimmerluft eine schnelle Wärmeabgabe und Vermeidung überhitzter Flächen zu erzielen. Es wird das letztere an der Stelle, wo die ersten Richtungsänderungen der Rauchgase stattfinden, voraussichtlich nicht immer zu vermeiden sein; auch dürfte bei diesem Ofen, infolge theilweiser Anordnung horizontaler Luftcirculationskanäle, der Reinigung desselben von Staub besondere Aufmerksamkeit zugewendet werden müssen. Der Ofen wird für Zwecke periodischer Heizung und rascher Erwärmung der Räume vorzugsweise in Anwendung zu bringen sein. Der Ofen von Adolf Jorns in Hannover (* D. R. P. Nr. 12426 vom 15. Januar 1880) bezweckt, die aus dem Brennmaterial entwickelten Gase durch innige Mischung mit erhitzter Luft zur vollkommenen Verbrennung zu bringen. Zu diesem Ende befindet sich in einem von Guſseisen hergestellten Cylinder a (Fig. 6 Taf. 19) ein Chamottecylinder b, welcher an seinem unteren Ende durch einen seitlich herausziehbaren Rost c geschlossen, an seinem oberen Ende mit einer Chamotte- oder Guſseisenplatte d abgedeckt ist. Der Cylinder a ruht mit 6 lappenartigen Ansätzen e auf einem Sockel und trägt mittels 6 lappenartiger Stützen f den Chamottecylinder b. Die Platte, von Jorns mit „Brennkopf“ bezeichnet, ist an der unteren Seite mit concentrischen und radialen, unter einander in Verbindung stehenden Schlitzen versehen. Es wird somit Luft aus dem Aschenfall in den von den beiden Cylindern a und b gebildeten ringförmigen Raum treten, sich an dem Cylinder b erwärmen und, da die Chamotteplatte durch einen überspringenden Rand den Cylinder a abschlieſst, durch die Schlitze der Chamotteplatte über dem Verbrennungsraum eintreten und sich mit den Verbrennungsgasen mischen. Letztere entweichen durch die in der Platte vorhandenen, nach oben sich erweiternden Durchgangsöffnungen und werden nach geraumer Zeit des Betriebes die Platte zum Glühen bringen. Unter dem Rost befindet sich der auf dem Zapfen g ruhende Aschenkasten h, dessen oberer Rand eine mit Sand gefüllte Rinne bildet, in welche das untere Ende des Cylinders a hineinragt. Durch Senken des Aschenkastens bildet sich eine Oeffnung, durch welche die Luft in denselben gelangen kann, während beim Heben des Aschenkastens die Luft abgeschlossen wird. Zur genauen Regulirung des Lufteintrittes dient der Keil i, zwischen dessen Seitenzähne der zum Feststellen des Keiles dienende Schieber k greift. Der Ofen ist von dem Mantel l umgeben und wird so die Möglichkeit geschaffen, sowohl die Zimmerluft circuliren lassen, als auch von auſsen entnommene frische Luft durch den Ofen hindurchführen zu können. Den gleichen Zweck der Rauchverbrennung verfolgt der Füllofen von H. Giffhorn in Wolfenbüttel (* D. R. P. Nr. 13064 vom 25. August 1880). Die Verbrennungsgase gehen zunächst über eine Feuerbrücke, welche in Gestalt der Luftkammer a (Fig. 7 und 8 Taf. 19) ausgebildet ist. In diese Kammer tritt von der anderen Seite des Ofens durch eine kleine Oeffnung Zimmerluft, welche, nachdem sie sich an den Wänden der Luftkammer erwärmt hat, durch die Schlitzöffnungen b über dem Feuerraum den Verbrennungsgasen zugeführt wird. Letztere gelangen durch die Züge c und den Stutzen d in den Schornstein. Eine Erreichung des beabsichtigten Zweckes, sowie eine lange Haltbarkeit des Ofens glaubt Referent nach der Anlage und den ganzen Verhältnissen des Ofens nicht annehmen zu dürfen; auch scheint die äuſsere Form nicht geeignet, auf irgend welche Schönheit Anspruch machen zu können. Der Ofen von Emil Servais in Luxemburg (* D. R. P. Nr. 12179 vom 5. März 1880) ist in seiner Grundform ein Schachtfüllofen bekannter Construction; seine Eigentümlichkeit besteht darin, daſs der guſseiserne Füllschacht, so weit er mit dem in Glut befindlichen Brennmaterial in Berührung kommt, hohl, d.h. mit ringförmigen Luftkanälen v (Fig. 9 Taf. 19) versehen ist. Der Zweck ist, eine Kühlung dieses Theiles des Füllschachtes zu bewirken, und zwar erfolgt dieselbe, indem die Luft durch ein nach auſsen mündendes Rohr in den untersten dieser Kanäle einströmt, diesen durchzieht, durch einen kleinen Verbindungskanal in den nächst höher gelegenen Kanal gelangt und dann in derselben Weise in den obersten Kanal eintritt. Von hier soll die Luft entweder in das Zimmer zurück, oder unter den Rost, oder auch in den Raum der abziehenden Heizgase geleitet werden, welcher durch den Füllschacht einerseits und den diesen umgebenden Mantel andererseits gebildet wird. Durch eine Klappe ist der Zutritt der Luft zu reguliren. Die Kanäle v werden durch Schlitze o behufs Abführung der Verbrennungsproducte unterbrochen; die Schlitze sind schräg angeordnet, um – freilich nicht mit sicherem Erfolg – ein Herausfallen der Asche zu verhindern. Der Ofen von Heinrich Maey in Zürich (* D. R. P. Nr. 13965 vom 19. September 1880) verfolgt ebenfalls das Bestreben, durch zugeleitete Luft eine vollkommene Verbrennung der Feuergase zu erzielen, und besteht in der Hauptsache in einem aus verschiedenen Abtheilungen bestehenden Heizraum, von welchen jede für sich im Stande ist, die Verbrennung zu unterhalten. Der eigentliche cylindrische Feuerungsraum c (Fig. 10 bis 12 Taf. 19) ist zur Vergröſserung der strahlenden Fläche mit den üblichen Rippen versehen; er hat vorn den kurzen Kanal g, welcher durch die Heizthür h verschlieſsbar ist. Auf c befindet sich zunächst ein conischer Ansatz c1, welcher zur Aufnahme von 4 Röhren in die gleiche Anzahl Oeffnungen endigt. Die weiteste dieser Röhren a ist oben gebogen und dient als Füllschacht für das Brennmaterial, zu welchem Zwecke die Oeffnung von a durch eine Thür b verschlieſsbar ist. Die anderen drei Röhren f dienen zum Abzug der Feuergase, welche von den drei Feuer stellen in c ausgehen; sie sind je mit einer Klappe q versehen, durch deren Schlieſsen man die Feuerung nur auf einen Theil des Ofens beschränkt. Oben endigen diese zur Vermehrung der Strahlung mit Rippen versehenen Rohre f wieder in ein gemeinsames Stück r, bestehend aus drei horizontalen Rohrstumpfen, welche in einen verticalen Rohrstumpf endigen. Letzterer hat am Boden ein sternförmiges Stück mit drei Flügeln zur Fixirung der Zugrichtung in jedem Rohre f und schlieſst direct an das eigentliche Ofenrohr, welches die Verbindung mit dem Kamin bildet, an. Unter c befindet sich der conische Untersatz d, in welchem die geneigten Roste k angebracht sind. Diese stützen sich mit ihrer unteren Kante auf das tellerartige Stück e, welches den Abschluſs des Ofens nach unten bildet. Dieser Teller e theilt sich nach oben hin in drei Flügel, wodurch die Feuerungsanlage in drei Feuerstellen getheilt wird. Die Asche fällt von dem Rost in die Oeffnung o, welche durch den Schieber m mittels der Handhabe n von auſsen verschlieſsbar ist, und gelangt von da in den Aschenkasten p. Der ganze innere Ofen wird von drei Füſsen O getragen. Der Raum s unter jedem Rost dient zur Zuleitung von atmosphärischer Luft zum Brennmaterial, während die Räume i zum Zuleiten von Luft zum Verzehren der Feuergase dienen. Im Raum c befindet sich nämlich ein Einsatz derart, daſs zwischen ihm und c ein sehr dünner ringförmiger Raum i bleibt; der genannte Einsatz ist am oberen Rande mit Löchern versehen, so daſs die Luft aus i austreten und sich mit den Gasen zur vollständigeren Verzehrung derselben mischen kann; der Zutritt zu dem ringförmigen Raum i erfolgt durch den Kanal i neben s, deren Oeffnungen durch den Schieber m derart regulirt werden können, daſs man je nach Belieben Luft durch s oder i allein, oder durch beide zugleich eintreten lassen kann. Dieser Ofenconstruction liegt offenbar die Absicht zu Grunde, trotz der verschiedenen Inanspruchnahme, welcher der Ofen nach der jeweiligen äuſseren Temperatur ausgesetzt werden muſs, eine gleichmäſsige und möglichst vollkommene Ausnutzung des Brennmaterials zu erzielen. Es ist nicht zu läugnen, daſs man im Allgemeinen die gröſste Ersparniſs an Brennmaterial erzielen müſste, wenn man in der Lage wäre, auf einem Rost stets diejenige Menge Brennmaterial unter Zuführung derjenigen Menge Luft zu verbrennen, welchen zusammen der höchste Nutzeffect entsprechen würde. Durch eine Anzahl verschiedener Roste und durch die je nach dem Bedarf an Wärme bedingte Inbetriebnahme eines oder mehrerer dieser Roste wird man der Bedingung höchster Ausnutzung des Brennmaterials näher kommen. Für die Praxis sind aber häufig derartige theoretische Wahrheiten schwer ausführbar und auch bei dem Maey'schen Ofen dürfte der beabsichtigte Zweck nur durch die sorgfältigste Bedienung erreichbar werden. Nicht weniger als 3 Klappen und 3 Schieber sind zu stellen und erfordert deren Behandlung Aufmerksamkeit und Verständniſs. Werden die Klappen und Schieber falsch bedient, so wird nicht nur der Zweck nicht erreicht, sondern es tritt geradezu das Gegentheil ein. Ein Mangel liegt noch darin, daſs bei Schluſs aller 3 Klappen q Kohlenoxyd in das Zimmer treten und zu Vergiftungen Anlaſs geben kann, der Ofen mithin auch vielfach auf Grund sanitätspolizeilicher Vorschriften nicht Verwendung finden dürfte. Der Luftbefeuchtungs- und Ventilationsregulir- und Füllofen von L. Tobiansky in Königsberg i. Pr. (* D. R. P. Nr. 14070 vom 14. September 1880) ist in Fig. 13 Taf. 19 dargestellt und leicht verständlich; als neu ist besonders die Verbindung mit dem kupfernen Wasserverdunstungskasten a hervorzuheben, welcher den Ofen nach Art eines gewöhnlichen Mantels vollkommen umschlieſst. Da die innere Wandung des Wasserkastens an ihrem oberen Ende den Füllschacht b nicht erreicht, so müssen sich die durch die Erwärmung des Wassers sich bildenden Dämpfe mit der zwischen Füllschacht und Wasserkasten emporsteigenden Luft vor Austritt aus dem Ofen vermischen; es wird somit dem Zimmer stets feuchte Luft zugeführt werden. Durch einen am Fuſs des Wasserkastens angebrachten Hahn c kann das Wasser abgelassen werden, während das Röhrchen d für einen etwaigen Abzug des Wassers dienen soll; durch den Trichtere erfolgt das Nachfüllen, durch die Glasscheibe f die Beobachtung des Wasserstandes. Tobiansky will durch die in dem Hohlmantel befindliche Wassermenge nicht nur eine Befeuchtung der Zimmerluft erreichen, sondern gleichzeitig eine gröſsere Aufsammlung von Wärme erzielen. Es ist keine Frage, daſs die Zimmerluft hierbei gehörig feucht erhalten werden kann; indeſs liegt bei nicht ganz vorsichtiger Bedienung die Gefahr nahe, die Räume mit zu viel Feuchtigkeit zu erfüllen, ganz besonders, wenn ohne Ventilation nur unter Circulation der Zimmerluft geheizt wird. Der Wasserstand muſs je nach den Feuchtigkeitsverhältnissen und der Temperatur der äuſseren Luft verschieden hoch in dem Wasserkasten gehalten werden; bei einigermaſsen lebhaftem Betrieb des Ofens wird das Wasser zum Sieden gelangen und das Röhrchen d, da der Austritt des Dampfes durch den Ofenfries nicht zu hemmen ist, den zugeschriebenen Zweck kaum erfüllen. Die Ansammlung von Wärme durch das Wasser, welches etwa 40l beträgt, ist nicht nennenswerth und in Folge des Umstandes, daſs der Ofen ein Füllofen ist, auch weniger von Bedeutung. Eine jedenfalls sehr wünschenswerthe zeitweilige gründliche Reinigung des Wasserkastens ist schwierig; die Einrichtung zeigt neuerdings, daſs in der heutigen Tags vielfach angestrebten und als nöthig empfundenen Befeuchtung der Zimmerluft auch des Guten zu viel gethan werden kann. Hervorzuheben ist bei diesem Ofen, daſs der Rost vom Aschenfall aus durch einfache horizontale Drehung um die Mittelachse leicht zu entfernen ist, indem derselbe mittels dreier Knaggen auf einem vorspringenden Falz ruht, welcher an drei symmetrisch zu den Knaggen angeordneten Stellen durchbrochen ist. Die Füllklappe ist innerhalb des Füllschachtes mit einer Verlängerung hi versehen, welche sich beim Oeffnen der Klappe an die feste Scheidewand g legt. Es soll hierdurch das Eintreten von Heizgasen durch die Oeffnung der Füllklappe vermieden werden. Da der Schluſs von hi mit g erst stattfindet, wenn die Füllklappe vertical steht, so dürfte dieser Einrichtung ein besonderer Vorzug kaum beizulegen sein. H. Rl.

Tafeln

Tafel Tafel 19
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