Titel: Neuerung an Dublirmaschinen für Gewebe aller Art; von Fr. Gebauer in Charlottenburg.
Autor: Fr. Gebauer
Fundstelle: Band 245, Jahrgang 1882, S. 159
Download: XML
Neuerung an Dublirmaschinen für Gewebe aller Art; von Fr. Gebauer in Charlottenburg. Mit Abbildungen auf Tafel 14. Gebauer's Dublirmaschine für Gewebe aller Art. Das Dubliren der Gewebe in der Längsrichtung gehört mit zu denjenigen Arbeiten, welchen die Waare bei der Bearbeitung zum Schlüsse unterworfen wird, um sie zum Verkauf und Zuschneiden handrecht zu machen. Im Allgemeinen wirken die bis jetzt bekannten Dublirmaschinen derart, daſs das Zeug von der horizontal liegenden Hülse in die Höhe geführt wird, durch die sogen. Zunge oder das Schwert eingeschlagen und schlieſslich auf dem weiteren Wege von einer Zug- und Druckwalze vollständig zusammengelegt und gezogen wird, wobei zugleich die Kante den nöthigen Druck erhält. Hierbei wird es jedoch dem Arbeiter, weil die ganze Anordung einen verhältniſsmäſsig groſsen Raum einnimmt, völlig unmöglich, der Waare zu folgen, sie zu beobachten und nach Bedarf helfend anzufassen, was um so nachtheiliger ist, als auch die cylindrischen Walzen das Gewebe auf der ganzen Fläche berühren, wobei sich sehr leicht Kniffe bilden, ohne daſs der Arbeiter das geringste verbessern könnte, da er seinen Standpunkt an der Stelle, wo die Waare hochgeht, nicht verlassen kann. Auſserdem ist es aber unvermeidlich, daſs die obere Lage der Waare länger als die untere wird und ein Verziehen des Gewebes stattfindet. Die neue, in Fig. 23 bis 27 Taf. 14 dargestellte Maschine von Fr. Gebauer in Charlottenburg (*D. R. P. Kl. 8 Nr. 16 528 vom 15. Juli 1881) beseitigt die erwähnten Uebelstände. Fig. 23 und 24 stellen die Maschine in der Seitenansicht dar, Fig. 25 gibt eine Ansicht gegen die Walzen, Fig. 26 den Hülsenträger (in Fig. 24), von oben gesehen, und Fig. 27 das Führungsstück, welches dem Gewebe zur ersten Faltenbildung dient. Soll die Maschine arbeiten, so wird die Hülse a (Fig. 24) mit der aufgewickelten Waare auf die Achse b gesteckt, nachdem vorher auf derselben zur Verhütung des Herabgleitens die Scheibe c befestigt worden war. Zu diesem Behufe ist die Achse b bei d und e aus ihren Lagern zu nehmen und trägt auſserdem an ihrem unteren Theile, in dem Gewinde verschiebbar, ein vierkantiges, keilförmiges Stück f, auf welchem sich die Hülse festklemmen kann. Das lose Ende der Waare wird nun in der durch die Linien x angegebenen Weise um die Leitwalze l nach der Zunge g (Fig. 23 und 27) geführt, dort leicht gefaltet, alsdann an der Schiene h (Fig. 23) entlang gezogen und schlieſslich zwischen die Walzen i1 und i2 gebracht, welche das zusammengelegte Zeug kniffen und in dem weiteren Verlauf von der in d und e leicht beweglichen Hülse ziehen. Wie dies bei solchen Maschinen üblich ist, läſst sich auch hier die dublirte Waare zugleich messen, indem entweder die Umdrehungen der unteren Walze i2 durch geeignete Vorrichtungen gezählt werden, oder aber, indem ein besonderer Zählapparat auf die in Bewegung befindliche Waare gesetzt wird. Dieselbe ist somit, nachdem sie noch durch einen einfachen Legeapparat gegangen ist, vollständig zum Verpacken fertig. Die Hülse a gibt der Maschine durch ihre vertikale Anordnung vor anderen Ausführungen den groſsen Vorzug, daſs der ganze Vorgang beim Dubliren auf einem verhältniſsmäſsig kleinen Raum zu ebener Erde und Tischhöhe stattfindet, daſs die Waare sich direkt vor den Augen des Arbeiters in Falten legt und derselbe etwaige Unordnungen leicht ausgleichen kann. Die hölzerne Zugwalze i1 ist auſserdem gegenüber den bisherigen Constructionen nicht glatt profilirt, sondern in ihrer Mitte schwach ausgedreht, damit das zu dublirende Zeug zum gröſsten Theil unberührt durch die Walzen gehen kann und nur die Kniffstelle gedrückt und gezogen wird. Als besondere Eigenthümlichkeiten sind bei vorliegender Maschine noch die vertikale Verstellung der Hülse mittels des Handrades k (Fig. 24), sowie die Entlastungsvorrichtung der Walze i1 hervorzuheben. Das erstere dient dazu, die Mitte der in verschiedenen Breiten vorhandenen Waare stets auf die Höhe der Schiene h stellen zu können, damit das Dubliren genau zur Hälfte vor sich gehen kann. Das Handrad k wird zu diesem Zweck gedreht, wodurch sich das Keilstück f verschiebt und die Hülse, welche auf demselben ruht, mitnimmt. Die Entlastung der Walze i1 wird durch das an dem Hebel m hängende Gewicht p bewirkt, welches durch sein Verschieben je nach Bedarf den Druck vermehrt oder vermindert. Um dieselbe vollständig anzuheben, was namentlich beim ersten Durchziehen der Waare erforderlich ist, wird der zweiarmige Winkelhebel n um seinen festen Drehpunkt o nach unten gedreht, wodurch das Verbindungsstück q die Walze i1 nach oben drückt, bis dieses mit dem einen Schenkel von n eine gerade Linie bildet. In dieser Stellung bleibt die Walze stehen und der Arbeiter hat es in seiner Gewalt, dieselbe durch Zurückdrehen des Hebels n wieder herunterzulassen, sobald die Maschine arbeiten soll. Diese Hantirung, sowie das Ausrücken der Maschine können leicht von dem Arbeiter vollführt werden, ohne daſs derselbe dabei die zu faltende Waare aus den Augen lieſse. Andererseits machen die bequeme Höhe und der geringe Raum, auf welchem der ganze Vorgang stattfindet, es möglich, das Zeug von dem Führungsstück g bis zu den Walzen i1 und i2 mit den Händen zu verfolgen, um etwaigen Unregelmäſsigkeiten beim Dubliren nachzuhelfen. Hervorgehend aus dieser leichten Zugänglichkeit sind die Leistungen der Maschine gegenüber den Resultaten älterer Systeme um vieles besser, so daſs die ganze gedrängte Anordnung des Hülsenträgers mit den Zug- bezieh. Druckwalzen als wesentlicher Vorzug anzusehen ist.

Tafeln

Tafel Tafel 14
Tafel 14